Der Große Müggelsee
Der Große Müggelsee (Stadtbezirk Köpenick im Südosten Berlins) liegt im Warschau-Berliner Urstromtal,
das hier durch die Hochflächen des Barnim (im Norden) und des Teltow (im Südwesten) begrenzt wird.
Aus dem Urstromtal ragen bis zu einer Höhe von 115 m über dem Meeresspiegel die Müggelberge als
Stauchmoräne älterer Entstehungszeit heraus. Sie schirmen den sonst stark windbeeinflußten See gegen Südwinde ab.
Mit einer Wasserfläche von 7,3 km² (gerechnet ohne seine östliche Ausbuchtung) ist der Müggelsee
der größte See Berlins. Seine maximale Tiefe wird allgemein mit 8 m angegeben, jedoch nur an
wenigen Punkten erreicht. Der See hat eine schüsselförmige Gestalt von durchschnittlich 4,9 m
Tiefe und ein Wasservolumen von etwa 36 Mill. m³. Seine Entstehung verdankt der See sehr
wahrscheinlich einer aus östlicher Richtung kommenden Gletscherzunge, die vom Sand des Urstromtales
um- und überschüttet worden ist. Die nach dem Rückzug des Eises entstandene Hohlform war ursprünglich
wesentlich tiefer. Im Verlauf der Nacheiszeit haben sich teils anorganische, überwiegend aber organische
(meist als "Mudde" bezeichnete ) Sedimente von mehr als 20 m Mächtigkeit im See abgelagert.
Maximal wurden bisher 23,5 m (FU-Berlin/Geographie) erbohrt. Diese Ablagerungen konzentrieren
sich auf die mittleren Bereiche des Sees, während seine flachen, ufernahen Zonen besonders im Nordteil
durch Windeinwirkung muddefrei gehalten werden.
Der See wird von der Spree durchflossen, deren Einzugsgebiet bis hier eine Fläche von rd. 7000 km2 umfaßt. Bei einem mittleren Zufluß der Spree in den Müggelsee von rd 7 m³/s (Mittel der Jahre 1992- 1997) beträgt die rechnerische Aufenthaltszeit nur etwa 60 Tage. Diese Zahl läßt den sehr starken Einfluß des Spreewassers auf den See erkennen. Er liegt im Rückstau der seit dem Mittelalter im Zentrum Berlins bestehenden Mühlendammschleuse, deren Stauhöhe (Normalstau seit 1892 = 32,28 m über Normalnull) die Wasserstände flußaufwärts bis zum Dämeritzsee bestimmt. Das mittlere Wasserspiegelgefälle zwischen Dämeritzsee und dem Mühlendamm beträgt nur 0,004 ‰.
In der Vergangenheit ist die Müggelspree oberhalb des Müggelsees - vorzugsweise zur Verbesserung der
Schiffbarkeit - durch Laufbegradigung und -verlegung stark verändert worden. Bis in die zweite Hälfte
des 19. Jahrhunderts ging der Hauptabfluß der Spree im Bogen um die Rahnsdorfer Kirche nach Norden in
die im Ostteil des Müggelsees gelegene große Ausbuchtung. Wegen der verringerten Fließgeschwindigkeit
setzte sich mitgeführtes anorganisches und organisches Material im Mündungsbereich ab. Die Bucht wurde im
Laufe der Zeit extrem flach, in ihr bildeten sich Sand- und Schlammbänke, weshalb sie von den Fischern
"Die Bänke" genannt wurde. Die gegenwärtige Mündung der Spree in den Großen Müggelsee (die Verbindung
zwischen dem Kleinen und dem Großen Müggelsee an der Gaststätte Müggelhort) ist zur Umgehung dieser
Schiffahrtshindernisse erst 1877/78 geschaffen worden.
Das am Nordufer des Müggelsees gelegene Wasserwerk Friedrichshagen (in Betrieb seit 1893), das
zweitgrößte unter den Berliner Wasserwerken, entnimmt dem See indirekt einen großen Teil seines
Rohwassers. Rund um den See befinden sich mehrere Brunnengalerien, die neben einem kleinen Teil
echten Grundwassers vor allem Uferfiltrat fördern. Bei der Uferfiltration wird dem See über einen
unterirdischen Sickerweg Wasser entzogen und durch die Filterwirkung des Sandes gleichzeitig gereinigt.
Die Spree führt dem Müggelsee erhebliche Nährstofffrachten zu. Pro Jahr betragen sie derzeitig
etwa 20 Tonnen Phosphor und 500 Tonnen Stickstoff. Obwohl sich die Nährstoffeinträge im Vergleich
zu den achtziger Jahren durch verringerten Durchfluß und Änderungen im Einzugsgebiet (Kläranlagenbau,
Verwendung phosphatfreier Waschmittel, reduzierten Eintrag aus Industrie und Landwirtschaft) etwa
halbiert haben, sind sie immer noch zu hoch. Sie ermöglichen nach wie vor von Frühjahr bis
Herbst - mit einer kurzen, meist im Mai/Juni auftretenden Unterbrechung (sog. Klarwasserstadium) - starke,
von Jahr zu Jahr in unterschiedlicher Intensität und Artenzusammensetzung auftretende Algenentwicklungen.
Allerdings ist in den Jahren seit 1990 ein Rückgang der Algen (vor allem der Blaualgen) festzustellen.
Ursprünglich waren die ufernahen Bereiche des Seebodens von reichen Beständen an Unterwasserpflanzen
bedeckt, die seit Beginn der siebziger Jahre bis auf unbedeutende Reste zurückgingen.
Als Ursache nimmt man die in der gleichen Zeit verstärkt aufgetretenen Massenentwicklungen von Algen an.
Die jetzt zu beobachtende langsame Wiedereroberung der Flachwasserzonen durch Wasserpflanzen ist als
erfreuliches Anzeichen einer Verbesserung der Wasserqualität des Sees zu werten.
Stündlich werden aktuelle meteorologische und hydrologische Messwerte angezeigt und grafisch darsgestellt.
| |
Großer Müggelsee |
Kleiner Müggelsee |
| Fläche in km² |
7,461 |
0,16 |
| größte Tiefe in m |
7,7 |
6,3 |
| mittl. Tiefe in m |
4,9 |
6,0 |
| Wasservolumen in Tm³ |
36.560 |
920 |
| mittl. Muddemächtigkeit in m |
6,14 |
? |
| Muddevolumen in Tm³ |
32.887 |
? |
| größte Länge in km |
4,4 |
0,5 |
| größte Breite in km |
2,6 |
0,25 |

|