Eisige Forschung

Drei Monate in der Antarktis forschen – für den IGB-Wissenschaftler Prof. Dr. Hans-Peter Grossart geht damit ein Traum in Erfüllung. Der Mikrobiologe möchte mehr über aquatische Pilze lernen, die unter den dortigen extremen Umweltbedingungen leben.
Schon die Anreise war aufregend. Ende Oktober ging es von Berlin über Los Angeles, Auckland und Christchurch nach McMurdo in die Antarktis. Nicht nur der Temperaturmix hatte es in sich: Herbst in Deutschland, Spätsommer in Kalifornien, Frühling in Neuseeland und schließlich Temperaturen weit unter Null Grad Celsius im antarktischen «Sommer». Auch der Kontrast aus einem normal funktionierenden Land nach Christchurch zu kommen, war nicht einfach zu verdauen. Denn acht Monate nach dem schweren Erdbeben warten noch viele Häuser darauf abgetragen oder repariert zu werden. Ein ziemlich deprimierendes Bild, über das auch die gerade aufblühenden Magnolien und das Vogelgezwitscher nicht hinweghelfen konnten.

Erster Sichtkontakt
Zum Glück war ich nicht alleine mit meinen Eindrücken, denn bereits in Los Angeles hatte ich einen Teil des Teams getroffen, mit dem ich in der Antarktis zusammen arbeiten sollte. Darunter Amy Chiuchiolo, die Technische Assistentin meines direkten Forschungspartners John Priscu , den ich schon seit meiner Diplom- und Doktorarbeitszeit in Konstanz kenne. Er ist Professor an der «Montana State University» und leitender Wissenschaftler im «Long Term Ecologigal Research»-Programm, über das auch mein Antarktis-Projekt finanziert ist.
Nachdem Amy uns Neulingen bereits viel Wissenswertes über unseren Aufenthalt in der Antarktis erzählt hatte – sie war schon mehr als 10-mal dort – wurden wir in Christchurch vom Polarservice Raytheon in das weitere Vorgehen eingeweiht und antarktistauglich eingekleidet. Raytheon ist eine Firma, die das«United States Antarctic Program » organisatorisch und praktisch unterstützt.

Gelandet!
Eine US-Militärmaschine brachte uns schließlich von Christchurch nach McMurdo, wo sich die amerikanische Antarktisstation befindet. Es war trotz Ohrenstöpsel unglaublich laut und schaukelte vereinzelt ganz schön. Dafür hatten wir viel Beinfreiheit, eine tolle Aussicht auf die Eislandschaft und Glück, dass unsere Bumerangtaschen nicht zum Einsatz kamen. Diese hatten wir in Christchurch mit Strassenkleidern und Toilettenutensilien für den Fall gepackt, dass wir wegen schlechten Wetters nicht in McMurdo landen können und nach Christchurch zurück fliegen müssen. Denn unser Flugzeug, eine schwere Transportmaschine, braucht Sichtkontakt zum Boden, um sicher aufzusetzen. Aber das Wetter meinte es gut mit uns: kaum Wolken, kein Nebel und kein Schneesturm.
Wow, endlich in der Antarktis, ich kann es kaum fassen!

Antarktisches Airporttaxi. Dieses Gefährt brachte uns vom Flughafen zur Forschungsstation.
|
Zur Person Prof. Dr. Hans-Peter Grossart leitet die Arbeitsgruppe «Biodiversität und aquatische mikrobielle Ökologie» in der Abteilung «Limnologie geschichteter Seen». Bei seinem Antarktis-Projekt interessieren ihn besonders einzellige Pilze, die entweder als Parasiten auf Algen leben oder feinpartikuläres organisches Material im Freiwasser von Seen abbauen. Dafür nimmt Hans-Peter Grossart von Oktober 2011 bis Januar 2012 – also während des antarktischen Sommers – an verschiedenen Seen Proben. Zurück am IGB in Neuglobsow werden diese im Detail analysiert, um die Vielfalt und die Rolle der Pilze in den antarktischen, permanent eisbedeckten Seen zu bestimmen. |
Text: Martina Bauchrowitz


