Die Geschichte des IGB

Gewässer- und Fischereiforschung seit dem 19. Jahrhundert
Am 1. Januar 1992 nahm das neu gegründete Berliner Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) seine Arbeit auf. Aus drei vom Wissenschaftsrat positiv evaluierten Vorgängerinstitutionen war es zusammengeführt worden. Binnen kurzer Zeit entwickelte sich daraus ein national und international anerkanntes Gewässerforschungsinstitut, das heute Teil der Leibniz-Gemeinschaft ist.

Mitarbeitende des Vorgängerinstitutes IfB bei der Feldarbeit (1955). | Foto: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Die Geschichte des IGB reicht bis in das späte 19. Jahrhundert zurück, denn das heutige Institut ging 1992 aus dem Zusammenschluss dreier außeruniversitärer Forschungseinrichtungen der ehemaligen DDR hervor: dem Institut für Binnenfischerei (IfB) in Berlin-Friedrichshagen sowie aus Teilbereichen zweier Institute der ostdeutschen Akademie der Wissenschaften, dem Bereich Hydrologie des Institutes für Geographie und Geoökologie (IGG) in Leipzig und der Abteilung für Experimentelle Limnologie Neuglobsow des Zentralinstituts für Mikrobiologie und Experimentelle Therapie (ZIMET) in Jena.

Vorläufereinrichtungen

Das Institut für Binnenfischerei (IfB) in Berlin-Friedrichshagen

Die Ursprünge des Instituts in Berlin-Friedrichshagen liegen im Jahr 1893. Damals gründete der Hydrobiologe Johannes Frenzel die „Biologische und Fischerei-Versuchs-Station“ am Müggelsee – als eine der ersten Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet. Die hohen Unterhaltungskosten und dringende Umbaumaßnahmen führten dazu, dass die Versuchsstation 1906 als „Königliches Institut für Binnenfischerei“ in die Verwaltung des Preußischen Landwirtschaftsministeriums überging. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zur Umbenennung in „Preußische Landesanstalt für Fischerei“, gefolgt von einer weiteren Namensänderung in „Institut für Binnenfischerei der Reichsanstalt für Fischerei“ durch die nationalsozialistische Regierung. Ein Luftangriff der Alliierten auf Berlin zerstörte 1943 das ursprüngliche Institutsgebäude samt Bibliothek und zahlreichen Messinstrumenten.

Mit Ende des Zweiten Weltkriegs wurde aus der ehemaligen Landesanstalt zunächst die „Deutsche Forschungsanstalt für Fischerei“, aus der 1951 das „Institut für Fischerei“ der neugegründeten Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin hervorging. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Grundsteinlegung für den Institutsneubau am Müggelseedamm 310.

Abteilung für Experimentelle Limnologie Neuglobsow

1959 entstand die Abteilung Experimentelle Limnologie am Stechlinsee in Neuglobsow als Außenstelle des Zentralinstituts für Mikrobiologie und Experimentelle Therapie (ZIMET) Jena. Ziel der Forschungsstelle Limnologie war vor allem das Erfassen gewässerökologischer Auswirkungen des ersten deutschen Atomkraftwerkes in Rheinberg auf den nahegelegenen Stechlinsee. Ende der 1980er Jahre erforschten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts vermehrt ökologische Wirkmechanismen zur Verbesserung der Gewässerbeschaffenheit. Aufgrund der seit 1959 andauernden Untersuchungen liegt heute für den Stechlinsee eine der weltweit umfangreichsten Langzeitdatenreihen der Limnologie vor.

Bereich Hydrologie Berlin

Der Fachbereich Hydrologie am Müggelseedamm 260 in Berlin-Friedrichshagen war eine Außenstelle des 1976 gegründeten Instituts für Geografie und Geoökologie (IGG) in Leipzig. Zu den Aufgaben dieses Bereiches gehörten Forschungen insbesondere im Bereich Umweltschutz und Wasserversorgung, etwa durch die Quantifizierung von Stoffeinträgen in Gewässer, sowie die mathematische Modellierung aquatischer Ökosysteme. Aus Geheimhaltungsgründen durften insbesondere umweltrelevante Forschungsergebnisse meist nur eingeschränkt veröffentlicht werden. Auch entsprachen die materiellen Bedingungen des Instituts aufgrund beengter Raumverhältnisse und überwiegend veralteter Geräte nicht denen führender internationaler Institute.

 

Gründung des IGB 1992

Das Ende der DDR führte zwischen 1989 und 1992 zu einer Neustrukturierung der Wissenschaftslandschaft in ganz Deutschland. Wie sämtliche ostdeutsche Forschungseinrichtungen wurde auch das „Institut für Binnenfischerei“ durch den Wissenschaftsrat evaluiert mit der Entscheidung, 1992 das „Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei“ als Teil des Forschungsverbunds Berlin e. V. zu gründen.

Schon am 1. Januar 1992 nahm das neue Institut mit Hauptsitz am Müggelsee und einer experimentellen Außenstelle am Stechlinsee seine Arbeit auf. Waren damals noch 103 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tätig, beschäftigt das IGB heute insgesamt etwa 230 Personen, darunter rund 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Inzwischen verfügt das Institut über mehrere Standorte  in Berlin-Friedrichshagen, Berlin-Adlershof, Berlin-Dahlem und Neuglobsow am Stechlinsee. Mit der Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft erhielt das Institut im Jahr 2000 seinen heutigen Namen „Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei“.

 

Über die Geschichte des IGB ist 2016 ein Buch erschienen, das anhand von Dokumenten und Zeitzeugen die Geschichte der drei Vorläufereinrichtungen nachzeichnet. Es kann gegen eine Schutzgebühr von 10 € über die IGB-Bibliothek bestellt werden.

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