08.11.2017 | Blitzlicht | Martina Bauchrowitz

Dialog am Stechlinsee: Die Schattenseiten des künstlichen Nachtlichts

Seit Einführung der Glühbirne Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Umwelt immer stärker durch künstliches Licht beeinträchtigt. Über die Folgen dieser Lichtverschmutzung für Natur und Mensch diskutierten 65 TeilnehmerInnen anlässlich des Dialogs am Stechlinsee am 14. Oktober 2017 im Stechlinsee-Center im brandenburgischen Neuglobsow.

Die Sternenführung wurde mithilfe von Sternenkarten weitergeführt, nachdem sich der Himmel zugezogen hatte. | Foto:  Martina Bauchrowitz / IGB

Acht Vorträge aus Forschung und Praxis bildeten die Diskussionsgrundlage beim diesjährigen Dialog am Stechlinsee. Sie beleuchteten die verschiedenen Aspekte der Lichtverschmutzung: von den physikalischen Grundlagen und den Folgen für Mensch und Natur über Möglichkeiten und Regulierungen die Lichtverschmutzung einzudämmen bis hin zur Einrichtung von Sternenparks in besonders dunklen Gegenden.

„Lichtverschmutzung ist ein globales Umweltproblem, das uns alle angeht“, lautete das Fazit von Prof. Dr. Mark Gessner, Leiter des IGB-Standortes am Stechlinsee und Organisator des Dialogs. Forschung und Praxis müssen Hand in Hand arbeiten, um das Problem abzumildern. „Als ich vor 20 Jahren begann, mich mit dem Thema Lichtverschmutzung zu befassen“, so Marita Böttcher vom Bundesamt für Naturschutz, „bin ich von den Kolleginnen und Kollegen nur belächelt worden.“ Heute hat sich die Situation zwar geändert, aber es liegt noch ein weiter Weg vor der Politik: denn es gilt die notwendigen Gesetzesregelungen einzuführen.

Es ist aber auch jetzt schon – unabhängig von gesetzlichen Regulierungen – durchaus möglich, die Lichtverschmutzung über die Stellschrauben Leuchtdauer, Leuchtstärke und Leuchtlenkung abzumildern. In diesem Sinne agiert beispielsweise die Gemeinde Stechlin in Brandenburg: in den Dörfern wird nach Mitternacht nur noch jede dritte Straßenlaterne betrieben und die Gemeinde wird auf Lampen umsteigen, die deutlich weniger Lichtverschmutzung verursachen.

Die Vortragenden waren sich einig, dass es mehr solcher Informationsforen wie die IGB Dialogformate oder die IGB Academy braucht, um die Problematik in Politik und Gesellschaft zu verankern. Hier setzt auch das von der Europäischen Union finanzierte Projekt stars4all an: eine Bewusstseinsplattform für nachhaltige und soziale Innovationen im Lichtsektor.

Wie sehr die Schönheit eines dunklen Nachthimmels geschätzt wird, zeigte das Echo auf die am Vorabend des Dialogs angebotene Sternenführung von Dr. Andreas Hänel, Leiter des Osnabrücker Planetariums und der Fachgruppe 'Dark Sky' der Vereinigung der Sternenfreunde. Der Himmelsspaziergang lockte 70 Sterneninteressierte an!

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