18.01.2018 | Blitzlicht | Juliane Lutze

Die Rote Königin und der Wasserfloh

„Hierzulande musst du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst“, erklärt die Rote Königin im Kinderbuchklassiker „Alice im Spiegelland“. Die daraus abgeleitete Red-Queen-Hypothese beschreibt in der Evolutionsbiologie das Verhältnis zwischen konkurrierenden Lebewesen: ein ständiges Wettrüsten. Sie lässt sich auch auf die koevolutive Dynamik von Parasit-Wirt-Wechselwirkungen anwenden.

Parasiten- und Wirtsorganismen müssen sich ständig weiterentwickeln, um einander überlegen zu sein. Dieser Wettlauf gegeneinander wird in Anlehnung an Lewis Carrolls Buch „Alice im Spiegelland“ auch als Red-Queen-Hypothese bezeichnet. | Bild: Wikimedia Commons

Infizierte Daphnie Das Wirt-Parasiten-System der Langzeitstudie: eine mit dem Parasiten Caullerya mesnili infizierte Daphnie. | Foto: Petr Jan Juracka

Langzeitstudien zu Parasit-Wirt-Wechselwirkungen in natürlichen Populationen sind nach wie vor rar, hauptsächlich wegen des hohen Aufwandes und der damit verbundenen Kosten. EvolutionsbiologInnen um die IGB-Wissenschaftlerin Justyna Wolinska haben nun die Veränderungen im genetischen Material einer Daphnienpopulation über einen Zeitraum von 13 Jahren analysiert. Dabei fanden die ForscherInnen heraus, dass die Populationen von Wasserflöhen (Daphnia longispina) in Phasen hoher Parasiteninfektion ausgeprägte genetische Veränderungen durchlaufen. Ohne derartige Epidemien hingegen verläuft die Fluktuation von Genotypen innerhalb der Population verlangsamt. Die Ergebnisse belegen die Hypothese der Roten Königin – eines ständigen evolutionären Wettrennens – und zeigen, welch große Rolle Parasiten für den Erhalt der genetischen Vielfalt von Wirtsorganismen spielen.

Lesen Sie die Studie im Online-Journal Evolution >

Patrick Turko, Christoph Tellenbach, Esther Keller, Nadine Tardent, Barbara Keller, Piet Spaak, Justyna Wolinska (2018) Parasites driving host diversity: Incidence of disease correlated with Daphnia clonal turnover. Evolution. doi: 10.1111/evo.13413

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Arbeitsgruppe
Evolutionsökologie von Krankheiten

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