31.05.2018 | Blitzlicht | Johannes Graupner

Neues Leopoldina-Diskussionspapier zu Pestiziden

IGB bringt Expertise zu aquatischen Ökosystemen ein
Pestizide können in Ökosystemen große Probleme verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt ein neues Diskussionspapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, in dem Pestizid-Auswirkungen und Handlungsoptionen auf Basis aktueller wissenschaftlicher Ergebnisse erläutert werden.

Pestizide können in Gewässern gravierende Probleme verursachen. Foto: pixabay.

Pestizide gelangen durch Verdriftung, Oberflächenabfluss, Drainage und Versickerung in Seen, Flüsse und das Grundwasser, wo sie vielfältige ökologische Folgen haben können. "In der Landwirtschaft und in Kleingärten eingesetzte Pestizide können die Struktur, Artenvielfalt und Funktion von Gewässern gravierend stören“, resümiert Mark Gessner, Kommissarischer Direktor des IGB, der zum Autoren-Team des Diskussionspapiers gehört.

Die Autoren stellen fest, dass europaweit kritische Umweltqualitätsnormen von Pestiziden in Gewässern überschritten werden. Pestizidrückstände sind dort in höheren Konzentrationen zu finden, als in Expositionsabschätzungen vorhergesagt wurde. Darunter befinden sich auch Substanzen, die in Deutschland schon lange nicht mehr eingesetzt werden.

Zudem werden unterschiedliche Pestizide häufig in Mischungen ausgebracht, wodurch sich deren Wirkungen auf einzelne Organismen und Ökosysteme insgesamt verstärken können. Die Effekte dieser täglichen Vermischungspraxis sind jedoch bisher nur sehr unzureichend erforscht.

Hinzu kommt, dass sich Lebensgemeinschaften in natürlichen Ökosystemen durch komplexe Verflechtungen und Wechselwirkungen zwischen den Arten auszeichnen. Pestizide und deren Mischungen können deshalb auch indirekt über ihren Einfluss auf diese Wechselwirkungen tiefgreifende Störungen im Gesamtsystem verursachen. Aus diesen Unsicherheiten ergeben sich Risiken, die laut der Leopoldina-Expertengruppe derzeit nicht angemessen berücksichtigt werden.

„Die Komplexität der Zusammenhänge und die weiter bestehenden Informationsdefizite erfordern eine systemische Betrachtung, um die Risiken bewerten zu können“, folgert deshalb Gessner. Dafür sei ein Umdenken erforderlich: „Sowohl die praktische Anwendung als auch die Gesetzgebung müssten klar auf das Gesamtsystem ausgerichtet werden.“

Dass das IGB sich bei der Leopoldina-Stellungnahme engagiert hat, ist für ihn selbstverständlich: „Evidenzbasierte Beratung für Politik und Gesellschaft ist Teil unserer Arbeit am IGB. Sie soll sicherstellen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis auch tatsächlich wirksam werden.“

Das Diskussionspapier kann auf der Leopoldina-Website auf Deutsch und Englisch heruntergeladen werden.

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