© Berit Kraushaar / FVB
Bei einem Festakt mit rund 100 Gästen weihte Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege des Landes Berlin, das neue Gebäude ein. Der Bund und das Land Berlin haben den Neubau mit 12 Millionen Euro für das IGB gefördert. Die Freie Universität Berlin finanzierte ihren Anteil mit 12 Millionen Euro aus eigenen Mitteln.
„Gemeinsam genutzte Infrastrukturen sind die richtige Antwort auf knappe öffentliche Ressourcen – und zugleich ein wissenschaftlicher Gewinn. Dass FU und IGB hier unter einem Dach forschen, ist Berliner Kooperationskultur in ihrer besten Form. Und die Erkenntnisse, die hier entstehen, brauchen wir dringend: Biodiversitätsverlust bedroht unsere natürlichen Lebensgrundlagen – er gehört zu den zentralen politischen Herausforderungen unserer Zeit", betonte Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege des Landes Berlin.
Das neue Kooperationsgebäude befindet sich in der Königin-Luise-Straße 28–30 auf dem Forschungscampus Dahlem der Freien Universität Berlin. Der Standort stärkt somit den Austausch zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung sowie die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Gleichzeitig schafft das Gebäude ein Umfeld, in dem neue wissenschaftliche Fragestellungen schneller entstehen und bearbeitet werden können.
„Mit dem neuen Kooperationsgebäude schaffen wir einen neuen Ort mit allen Voraussetzungen und Möglichkeiten für exzellente Forschung. Die großen Fragen zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zum Umgang mit globalen Umweltveränderungen lassen sich nur im engen Austausch unterschiedlicher Disziplinen und Institutionen beantworten. Wenn hier künftig Forschende der Freien Universität Berlin, des IGB und weiterer Partner Tür an Tür – oder auch ohne Tür im selben Labor – arbeiten, dann bündelt das neue Möglichkeiten am Wissenschaftsstandort Dahlem und eröffnet neue Perspektiven für innovative Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und den für den Transfer von Wissen in Gesellschaft und Politik“, sagte Prof. Dr. Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin.
Forschung für ein besseres Verständnis von Biodiversität
Der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt, der Klimawandel und andere globale Umweltveränderungen zählen zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Um wirksame Lösungsansätze zu entwickeln, ist ein vertieftes Verständnis der zugrunde liegenden ökologischen Prozesse notwendig.
„Die großen Fragen der Biodiversitätsforschung liegen häufig dort, wo wir nicht mit bloßem Auge hinschauen können: unter der Wasseroberfläche, in komplexen Datenmustern oder in den genetischen und mikrobiellen Grundlagen des Lebens. Das neue Gebäude bringt Forschende zusammen, die genau diese verborgenen Dimensionen der biologischen Vielfalt untersuchen. Indem wir Expertise von der Ökosystemforschung über Modellierung und Umweltmonitoring bis hin zu Genomik und Mikrobiologie bündeln, schaffen wir die Grundlage für ein umfassenderes Verständnis von Biodiversität in einer sich rasch verändernden Welt“, erklärte Prof. Dr. Sonja Jähnig, Direktorin des IGB in ihrem Grußwort.
Und so wird Biodiversitätsforschung im neuen Kooperationsgebäude nicht nur organisatorisch gebündelt, sondern im wissenschaftlichen Alltag gemeinsam gestaltet. Moderne Forschungsinfrastruktur, kurze Wege und gemeinschaftlich genutzte Arbeitsbereiche fördern den Austausch zwischen den Disziplinen und schaffen optimale Bedingungen für neue wissenschaftliche Impulse.
Nach hohen Umweltstandards gebaut
Der dreigeschossige, polygonale Neubau bietet auf einer Nutzfläche von rund 2.200 Quadratmetern Platz für rund 135 Forschende. Neben Laboren und Büros stehen zahlreiche Besprechungs- und Begegnungsräume zur Verfügung, die den wissenschaftlichen Austausch fördern.
„Der Wissens- und Innovationsraum Berlin hat mit dem neuen Biodiversitätsgebäude nun einen Ort mehr, an dem einrichtungsübergreifend exzellente Forschung wirken kann. Auch wenn die Umsetzung einige Herausforderungen mit sich gebracht hat, freue ich mich umso mehr, dass wir dieses besondere Gebäude nun einweihen können. Mein Dank geht an die vielen engagierte Menschen in Wissenschaft und Verwaltung, die dies möglich gemacht haben“, betonte Martin Böhnke, Geschäftsführer des Forschungsverbundes Berlin e. V., der Bauherr des Gebäudes ist.
Bei Planung und Bau wurden hohe Nachhaltigkeitsstandards berücksichtigt. Zum Einsatz kamen langlebige und zugleich recyclingfähige Baumaterialien. Das Gebäude verfügt über einen außenliegenden Sonnenschutz, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sowie naturnah gestaltete Außenflächen mit Blumenrasenflächen und Versickerungsmulden. Angestrebt wird eine Zertifizierung nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) in Gold.
Kunst am Bau: „A Biological Clock“ von Ursula Damm
Ein besonderer Blickfang befindet sich im zentralen Lichthof des Gebäudes. In der Rotunde des Atriums ist die Installation „A Biological Clock“ der Mixed-Media-Künstlerin und Bauhaus-Universitätsprofessorin Ursula Damm zu sehen. Der Entwurf setzte sich im Wettbewerb „Kunst am Bau“ durch.
Die Installation visualisiert die inneren Rhythmen von Wasserflöhen und Chaoborus-Mücken im Verlauf eines Jahres. Beide Arten teilen denselben Lebensraum in Gewässern und stehen exemplarisch für die komplexen zeitlichen und ökologischen Zusammenhänge innerhalb von Ökosystemen. Ergänzt wird die Darstellung durch sogenannte „Weltlinien“, die aus den Bewegungen der Organismen abgeleitet wurden und ihre Wechselwirkungen mit der Umwelt sichtbar machen.
Gemeinsame Finanzierung von Bund und Land
Die Baukosten werden von den Partnereinrichtungen gemeinsam getragen. Der Anteil des IGB wurde im Rahmen einer Großen Baumaßnahme der Leibniz-Gemeinschaft finanziert. Die Mittel stammen vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie vom Land Berlin. Die Freie Universität Berlin finanziert ihren Anteil aus Eigenmitteln.
Bauherr des Projekts ist der Forschungsverbund Berlin e. V. (FVB), dem das IGB angehört. Der Betrieb des Gebäudes erfolgt durch die Freie Universität Berlin.
Zahlen und Fakten
- Name: Kooperationsgebäude Biodiversität Dahlem
- Standort: Königin-Luise-Str. 28-30, 14195 Berlin-Dahlem
- Nutzer: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e. V. und Freie Universität Berlin
- Bauherr: Forschungsverbund Berlin e. V.
- Finanzielle Förderung durch den Bund und das Land Berlin für das IGB: 12 Millionen Euro
- Finanzierung durch die Freie Universität Berlin: 12 Millionen Euro aus Eigenmitteln
- Nutzfläche: Rund 2.200 qm Nutzfläche (Labore, Büros, Besprechungsräume) auf 3 Etagen
- Anzahl der Nutzerinnen und Nutzer: ca. 135