Fragen und Antworten zu UrbAnAquifer

Allgemeine Fragen zum Projekt

Worum geht es im Projekt urbAnAquifer?

urbAnAquifer ist ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördertes Forschungsprojekt zum Zustand und Schutz des städtischen Grundwassers. Es untersucht, ob undichte Kanalisationen oder Chemikalien aus Gärten das Grundwasser verunreinigen. Dazu werden Wasserproben u. a. an Notbrunnen und Gartenbrunnen gezogen. Die Proben werden auf abwassertypische Inhaltstoffe und Gartenchemikalien untersucht. Ziel ist es übertragbare Methoden zu entwickeln, um Belastungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit Bürger*innen Lösungen zu entwickeln. Das Wort „Aquifer“ ist die wassergesättigte Zone im Untergrund, also der Bereich in dem der gesamte Porenraum mit Grundwasser gefüllt ist.

Warum ist Grundwasserschutz so wichtig?

Grundwasser ist eine wichtige Ressource für Ökosysteme wie Seen und die Trinkwasserversorgung. In Berlin wird das Trinkwasser gänzlich aus Grundwasser gewonnen – der Großteil direkt im Stadtgebiet.

Welche potenziellen Verunreinigungsquellen untersucht das Projekt?

Das Projekt konzentriert sich auf zwei potenzielle Quellen von Grundwasserverunreinigungen:

  • Undichtigkeiten im Kanalisationsnetz, das Abwasser unterirdisch von Haushalten zu Kläranlagen transportiert 
  • Chemikalien aus Gärten und Grünflächen (z. B. Dünger und Pestizide), die besonders durch starke Regenereignisse ins Grundwasser eingetragen werden können

Wie sollen in urbAnAquifer potenzielle Verunreinigungen im Grundwasser aufgespürt werden?

Im Projekt suchen wir nach einer Vielzahl unterschiedlicher Stoffe im Grundwasser, die eine Verunreinigung durch Abwasser oder Chemikalien anzeigen. Dazu zählen beispielsweise Bor, Ammonium, Arzneimittelrückstände, das Süßungsmittel Acesulfam-K, Dünger und Pestizide.

Öffentliche Kanalisation

Wird die öffentliche Abwasserkanalisation in Berlin regelmäßig auf Dichtigkeit geprüft?

Ja, die Berliner Wasserbetriebe untersuchen die gesamte öffentliche Abwasserkanalisation mithilfe von Kamerabefahrungen und erfassen Schäden systematisch. Auf dieser Grundlage werden Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen der Kanalisation priorisiert. Zusätzlich führen die Wasserbetriebe Forschungsprojekte durch, um Schäden noch zuverlässiger und schneller zu erkennen. Ein Teil der Forschung betrifft die automatische Zustandsanalyse des Kanalnetzes durch virtuelle Begehung und den Einsatz von maßgeschneiderten Drohnen für die Kanalinspektion.

Wie lang ist die öffentliche Berliner Abwasserkanalisation?

Sie ist etwa 9.700 km lang − das entspricht der Entfernung von Berlin nach San Francisco.

Warum gibt es überhaupt Schäden an der Kanalisation?

Wie bei allen Bauwerken treten auch bei der Abwasserkanalisation Alterungserscheinungen und Materialermüdungen auf. Daraus resultieren z. B.  Risse, Wurzeleinwüchse und Korrosion. Doch obwohl Teile der Kanalisation in Deutschland sehr alt sind − zum Teil über 100 Jahre − ist der Zustand durch die regelmäßige Instandhaltung funktionsfähig und weitestgehend dicht. 

Warum braucht es das Projekt urbAnAquifer, wenn die Berliner Wasserbetriebe die Kanalisation bereits durch Kamerabefahrungen untersuchen?

Das Projekt betrachtet gewissermaßen die „andere Seite“ der Kanalisation: Es untersucht nicht die Schäden im Inneren der Rohre, sondern ob außen im Grundwasserleiter Verunreinigungen auftreten. Damit liefert es quasi eine unabhängige Ergänzung zu den bestehenden Kamerabefahrungen und kann außerdem Hinweise darauf geben, ob private Leitungen (Grundleitungen) undicht sind. Wichtig: Die Untersuchungen werden nicht punktgenau einzelnen Schäden oder Grundstücken zuzuordnen sein, sondern den allgemeinen Zustand des Grundwassers beschreiben.

Private Kanalisation (Grundleitungen)

Wird auch die private Abwasserkanalisation regelmäßig auf Dichtigkeit geprüft?

Die Berliner Wasserbetriebe übernehmen die Prüfung der Dichtigkeit des Hausanschlusskanals, also des Kanals von der öffentlichen Kanalisation bis zum ersten Revisionsschacht, bzw. bis zum Übergabeschacht, bzw. bis zum Hausanschlusskasten bzw. wenn diese fehlen bis zur Grundstücksgrenze. Was häufig nicht bekannt ist: Der Abschnitt zwischen Revisionsschacht/Übergabeschacht/Hausanschlusskasten und Gebäude, der auch Grundleitung genannt wird, liegt in der alleinigen Verantwortung der Grundstückseigentümer:in. Der Zustand der Grundleitung ist oft unbekannt, da er nur selten untersucht wird. 

Gibt es gesetzliche Regelungen für die private Abwasserkanalisation?

Das bundesweit geltende Wasserhaushaltsgesetz (WHG) verpflichtet nicht nur öffentliche Kanalnetzbetreiber, sondern auch private Grundstückseigentümer:innen dazu, den einwandfreien Zustand aller Abwasserleitungen sicherzustellen. Je nach Bundesland oder Kommune gelten andere Regelungen. In Berlin besteht innerhalb der meisten Wasserschutzgebiete eine ausdrückliche Prüfpflicht in einem festen Rhythmus (je nach Zone zwischen alle 5 und alle 20 Jahre). Weitere Informationen hierzu finden Sie auf folgender Webseite: https://www.bwb.de/de/dichtheitspruefung-von-grundstuecksanschluessen.php 

Ist das private Kanalisationsnetz nicht viel zu kurz um überhaupt relevant zu sein?

Nein. Schätzungen zufolge ist das private Kanalisationsnetz in Deutschland insgesamt etwa doppelt so lang wie das öffentliche Kanalnetz − und damit sehr wohl relevant (https://de.dwa.de/files/_media/content/06_SERVICE/ZahlenFaktenUmfragen/Kanalumfragen/Zustand%20der%20Kanalisation%202015.pdf; DWA (2016). Zustand der Kanalisation in Deutschland. Korrespondenz Abwasser, Abfall 63, 6). 

Öffentlichkeitsbeteiligung

Wie kann die Öffentlichkeit in den ausgewählten Stadtgebieten mitmachen?

Interessierte können sich aktiv beteiligen durch:

  • die Beprobung ihres eigenen, privaten Gartenbrunnens und
  • die Teilnahme an Workshops und Dialogformaten.

Warum setzt das Projekt auf Öffentlichkeitsbeteiligung?

Da es nur wenige offizielle Grundwassermessstellen gibt, ermöglicht Öffentlichkeitsbeteiligung durch die Beprobung privater Gartenbrunnen eine deutlich höhere räumlicher Auflösung der Daten. Öffentlichkeitsbeteiligung ist aber auch in den Workshops wichtig, um gemeinsam innovative Lösungen zu entwickeln.

Was habe ich von meiner Teilnahme?

Wenn Sie eine Probe aus Ihrem Gartenbrunnen zur Verfügung stellen, unterstützen Sie nicht nur das Forschungsprojekt, sondern erhalten auch eine kostenlose Analyse Ihres Wassers. Sie bekommen die Ergebnisse mit einer kurzen Erläuterung der gemessenen Inhaltsstoffe. 

Was passiert, wenn bei mir eine Verunreinigung festgestellt wird?

Falls Hinweise auf eine Verunreinigung vorliegen, informieren wir Sie und erläutern die Ergebnisse verständlich. Zudem bieten wir Workshops an, in denen die Ergebnisse eingeordnet und gemeinsam mit Ihnen und weiteren Bürger:innen Strategien und Lösungsansätze zum Schutz des Grundwassers entwickelt werden. Es geht uns dabei ausdrücklich nicht um Kontrolle, sondern um Information, Wissensaustausch und Unterstützung. 

Muss ich mit Konsequenzen rechnen? 

Nein. Aus den Ergebnissen entstehen für Sie keine Verpflichtungen oder Nachteile, die über die sowieso geltenden gesetzlichen Regelungen nach WHG (siehe oben) hinausgehen. Auch wenn grundsätzlich die Pflicht besteht, das Grundwasser nicht durch undichte Leitungen zu verunreinigen, lassen sich mögliche Auffälligkeiten nicht eindeutig einem Grundstück zuordnen, da Grundwasser unabhängig von Grundstücksgrenzen durch den Untergrund fliesst. 

Was passiert in den Workshops?

In den Workshops werden die Ergebnisse verständlich erklärt und gemeinsam Ideen zum Grundwasserschutz entwickelt. Im Mittelpunkt stehen Austausch und gegenseitige Unterstützung − nicht die Bewertung einzelner Teilnehmender. 

Wo wird das Projekt durchgeführt?

Das Projekt wird in zwei Modellgebieten in Berlin durchgeführt, um Methoden zu entwickeln, die später auf andere Gebiete in Berlin und in anderen Städten übertragbar sind. Ausgewählt wurden Gebiete, in denen wir eine große Öffentlichkeitsbeteiligung erwarten und in deren Nähe Trinkwasser gefördert wird. Das erste Gebiet liegt in Nikolassee-Schlachtensee-Zehlendorf. Das zweite Gebiet wird erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgewählt.

Karte eines Stadtteils in Berlin. Das Untersuchungsgebiet ist rot eingezeichnet.
Abbildung: Erstes Teilgebiet von urbAnAquifer im ersten Modellgebiet. Kartengrundlage: OpenStreetMaps. 

 Was kann ich selbst zum Grundwasserschutz beitragen?

  • Verwenden Sie Chemikalien wie Pestizide und Dünger im Garten sparsam oder verzichten Sie möglichst darauf 
  • Setzen Sie auf umweltfreundliche Alternativen
  • Lassen Sie den Zustand Ihrer privaten Abwasserleitungen in regelmäßigen Abständen prüfen 

Warum setzt das Projekt auf Öffentlichkeitsbeteiligung?

Da es nur wenige offizielle Grundwassermessstellen gibt, ermöglicht die Öffentlichkeitsbeteiligung eine deutlich höhere räumlicher Auflösung der Daten.

Datenschutz

Ich habe Bedenken wegen des Datenschutzes – Was passiert mit meinen Daten?

Wir verwenden Ihre Daten ausschließlich im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts und veröffentlichen sie nicht in Verbindung mit Namen oder Adressen. Sie können auch anonym teilnehmen und müssen Ihre Adresse nicht unbedingt angeben. Notieren Sie dafür einfach die Nummer Ihrer Probenflasche und rufen Sie Ihr Ergebnis später auf unserer Webseite ab. Für die wissenschaftliche Auswertung benötigen wir lediglich einen Kreis auf dem Protokollblatt, dass die ungefähre Lage Ihres Grundwasserbrunnens kennzeichnet.

Wie werden meine Daten geschützt?

Ihre Daten werden streng vertraulich behandelt und sicher gespeichert. Zugriff hat ausschließlich das Projektteam.

Werden meine Daten an Dritte weitergegeben?

Nein. Ihre personenbezogenen Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.