11.06.2019 | Fokus | Martina Bauchrowitz

Artists in Residence am IGB

Der Stechlin als inspirierender Filmschauplatz
Wie kann man Seen und die in ihnen weitgehend verborgenen Welten erlebbar machen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der bosnische Filmregisseur Dane Komljen schon seit geraumer Zeit. Für sein Spielfilmprojekt konnte er die Kamerafrau Jenny Lou Ziegel und die Produzentin Zsuzsanna Kiràly gewinnen. Als Artists in Residence des IGB kommen die Filmemacher im Juni zu Dreharbeiten an den Stechlinsee.

Der bosnische Filmregisseur Dane Komljen (mittig) und Kamerafrau Jenny Lou Ziegel (links) zusammen mit Produzentin Zsuzsanna Kiràly (rechts) sind die neuen Artists in Residence des IGB. Foto: Locarno Festival/ Marco Abram

Schon bei einem seiner früheren Filme, "All Still Orbit", stand ein See im Mittelpunkt des Geschehens. Danach ließ Dane Komljen das Thema nicht mehr los. Zufällig sei er bei seinen Recherchen auf den "Vater der modernen Limnologie" gestoßen. Die Rede ist von G. Evelyn Hutchinson, dem Gewässerökologen, der zwischen 1928 und 1971 an der Yale-Universität in den USA forschte. Bei einem Besuch im Yale-Archiv vertiefte sich Komljen in Hutchinsons Aufzeichnungen und Fotos und stieß dabei auch auf sein ab 1957 erschienenes vierbändiges Standardwerk "A Treatise on Limnology" (dt. Eine Abhandlung zur Limnologie). Darin legt er u.a. dar, dass der Mensch Seen als unveränderliche Landschaftselemente wahrnimmt, obwohl sie sich im ständigen Wandel befinden und irgendwann sogar aufhören zu existieren, weil sie verlanden. Diese Ausführungen haben Komljen so fasziniert, dass er seinem Filmprojekt den Arbeitstitel "A Treatise on Limnology" gab.

Rund um das Thema Verwandlung will der experimentelle Spielfilm deshalb die Lebenssituationen mehrerer Protagonisten auf verschiedenen zeitlichen Ebenen beleuchten, wobei ihre Geschichten immer etwas mit Seen zu tun haben. Der Regisseur Dane Komljen, die Kamerafrau Jenny Lou Ziegel und die Produzentin Zsuzsanna Kiràly, haben bereits an "Phantasiesätze" zusammengearbeitet und werden nun auch dieses Projekt gemeinsam umsetzen. Gedreht wird außer am Stechlinsee auch am spanischen Lago de Sanabria. Dabei will die kleine Crew behutsam, nur mit Minimalausstattung und ohne künstliches Licht in der Natur arbeiten, um die spezielle Atmosphäre der Drehorte unverfälscht einzufangen. Der Film wird vom Medienboard Berlin-Brandenburg und dem Jeonju Cinema Project gefördert und in Spanien von Andergraun Films koproduziert.

Für die Dreharbeiten am Stechlinsee werden die Filmemacher vom IGB als Artists in Residence aufgenommen. Beeindruckt hat sie bei ihrem ersten Recherchebesuch am Stechlinsee übrigens, dass der Begriff 'Limnologie' hier kein ungewohntes Fremdwort, sondern in aller Munde ist. Denn als die Filmemacher nach dem Weg zum Forschungsinstitut fragten, kam gleich die sachkundige Rückfrage: "Sie meinen wohl die Limnologie?".

Zu den Personen:

Dane Komljen studierte Regie an der Fakultät der Dramatischen Künste in Serbien und an der Kunstschule Le Fresnoy Studio National des Arts Contemporains in Frankreich. Seine Filme wurden auf wichtigen nationalen und internationalen Festivals gezeigt – u.a. in Cannes, Locarno, Rotterdam, Marseille, Sarajevo, Toronto und New York – und wiederholt mit Preisen ausgezeichnet.

Jenny Lou Ziegel hat an der DFFB – Deutsche Film und Fernsehakademie Berlin studiert und arbeitet seit ihrem Abschluss 2012 als freiberufliche Kamerafrau in den Bereichen Spiel-, Dokumentar- und Kunstfilm.

Zsuzsanna Kiràly arbeitete im Bereich Kultur-PR und für verschiedene Film-Festivals, bevor sie sich in der Filmproduktion auf Stoffentwicklung spezialisierte. Mit Flaneur Films gründete sie ihre eigene Produktionsfirma.

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