Einblick
Nadja Neumann

Natalie Klinard: „Bewegung ist ein elementarer Bestandteil des Lebens aller Organismen“

Dr. Natalie Klinard leitet seit März 2026 die neue IGB-Forschungsgruppe „Bewegungsökologie”. Zuvor war sie Postdoktorandin am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Dort hat sie unter anderem ein Rahmenwerk entwickelt, um die ökologische Rolle von Haien in Korallenriffen zu untersuchen. Am IGB wird sie in Abteilung 4 ihr Forschungsthema zu den Bewegungen und dem Verhalten von Wildfischen weiter vorantreiben. Die Wertschätzung für die Natur ist dabei eine große Motivation für ihre Arbeit, wie sie in diesem kurzen Interview beschreibt.

Natalie Klinard leitet die neue Forschungsgruppe „Bewegungsökologie” am IGB. | Foto: David Ausserhofer, IGB

Frau Klinard: „Fische in freier Wildbahn in Bewegung“.  Was hat Sie dazu bewogen, dies als Forschungsthema zu wählen?

Bewegung ist ein grundlegender Bestandteil des Lebens aller Organismen. Sie spielt eine wichtige Rolle in den meisten ökologischen und evolutionären Prozessen und bestimmt die Struktur von Populationen, Gemeinschaften und Ökosystemen. Das Verständnis der Bewegung von Tieren kann uns viel darüber lehren, wie Tiere mit ihrer Umwelt interagieren und mit Umweltveränderungen umgehen. Fische haben seit langem ökologische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung in aquatischen Umgebungen weltweit, was zu einem weit verbreiteten Wunsch geführt hat, ihre Ökologie und ihre Rolle in verschiedenen Ökosystemen besser zu verstehen. Einblicke in die Bewegung und das Verhalten von Fischen in ihrer natürlichen Umgebung zu gewinnen, ist etwas, das mich seit Beginn meiner akademischen Laufbahn interessiert hat. Die Größe und Komplexität aquatischer Umgebungen hat es jedoch in der Vergangenheit schwierig gemacht, die Bewegungen von Fischen zu beobachten. In den letzten Jahrzehnten haben Fortschritte in der aquatischen Telemetrietechnologie es ermöglicht, die Bewegungen von Fischen über Zeiträume von Monaten bis zu mehreren Jahren und über räumliche Skalen hinweg, die von kleinen Seen und Flüssen bis hin zu ganzen Ozeanbecken reichen, nahezu kontinuierlich zu verfolgen. Diese modernen Tracking-Technologien haben den Umfang und die Bandbreite der Forschungsfragen erweitert, die wir in Bezug auf die Bewegung und das Verhalten von Fischen untersuchen können. Die Möglichkeit, die Ursachen und Folgen der Fischbewegungen mit Hilfe neuer Technologien immer detaillierter zu untersuchen, hat meine Leidenschaft für die Erforschung der Fischbewegungen noch verstärkt. 

Könnte „Ein Leben für die Wissenschaft“ eines Tages der Untertitel Ihrer Biografie sein? Wenn nicht, was wäre Ihrer Meinung nach eine passende Alternative?

Ich denke, „Ein Leben für die Wissenschaft“ könnte durchaus eines Tages der Untertitel meiner Biografie sein – falls ich jemals eine haben sollte! Als Kind wuchs ich mit einer Wertschätzung für die Natur und einer großen Neugierde dafür auf, wie sie funktioniert. Im Kern geht es in der Wissenschaft darum, dem Wunsch nachzugehen, Phänomene in unserer Welt zu erforschen und zu verstehen und dabei neues Wissen aufzubauen. Auch wenn die Wissenschaft zu meinem Beruf geworden ist, denke ich, dass die Grundlagen, die mich dazu gebracht haben, mich der Wissenschaft zu widmen, immer noch einen großen Einfluss darauf haben, wie ich mich in der Welt bewege und mein tägliches Leben gestalte.

Wenn Sie ein Wanderfisch wären, der frei schwimmen könnte, wohin würden Sie gehen?

Das ist eine schwierige Frage, weil die Möglichkeiten endlos erscheinen, aber ich würde gerne ein Saibling sein, der zwischen Flüssen und dem Arktischen Ozean wandert. Ich finde es unglaublich, solche extremen und einzigartigen Umgebungen in einem Klima zu sehen, das für Menschen als lebensfeindlich gilt.

 

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