Der Grundwasserschutz im urbanen Bereich stellt Kommunen, Bezirke, Wasserbetriebe und Forschungseinrichtungen, wie das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, vor große Herausforderungen. Besonders in einer Stadt wie Berlin, in der das gesamte Trinkwasser im Stadtgebiet gewonnen wird, ist eine gute Grundwasserqualität essenziell. Durch den Klimawandel wird sich die Lage weiter verschärfen: Die Grundwasserneubildung geht zurück, der Grundwasserpegel sinkt und Schadstoffeinträge werden weniger stark verdünnt.
Ergebnisse vorausgegangener wissenschaftlicher Arbeiten am Arendsee zeigen beispielsweise, dass das Grundwasser, das den See speist, im städtischen Gebiet stark verunreinigt ist und erheblich zur Nährstoffbelastung des Sees beiträgt. Auch dort haben wir bereits eine Kampagne mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt. Ohne die Proben aus über 50 privaten Gartenbrunnen wäre die Ursache der Belastung unklar geblieben.
Bisher ist über den Zustand des oberflächennahen Grundwassers in städtischen Gebieten nur wenig bekannt. Häufig fokussieren sich Untersuchungen auf punktuellen Verunreinigungen durch Industriealtlasten. Im Projekt urbAnAquifer konzentrieren wir dagegen auf die Grundwasserqualität in Wohngebieten.
Auch die Eintragspfade von Verunreinigungen sind bislang unzureichend verstanden. Ein möglicher, aber wenig erforschter Weg sind Leckagen der Kanalisation. Ob dies ein relevantes Problem darstellt, wird in zwei Berliner Modellgebieten untersucht. Darüber hinaus analysieren wir im Projekt auch Einträge von Chemikalien (z. B. Dünger und Pestizide) aus Parks, Friedhöfen, Schrebergärten und anderen Grünflächen.
Hier kommen nun Sie ins Spiel: Im Rahmen des Projekts urbAnAquifer haben Sie die Möglichkeit, mehr über das oberflächennahe Grundwasser auf Ihrem Grundstück sowie in Ihrem Stadtgebiet zu erfahren. Dafür stellen wir Ihnen Probenflaschen und eine Probenahmeanleitung zur Verfügung. Sie können dann selbst eine Wasserprobe aus Ihrem Gartenbrunnen − sofern vorhanden − entnehmen und diese bei uns abgeben. Falls Sie keinen eigenen Gartenbrunnen haben, sich aber für das Grundwasser in Ihrem Kiez interessieren, können Sie sich in unserem E-Mail-Verteiler registrieren. Wir informieren Sie dann über Veranstaltungen und Workshops in Ihrer Nähe.
Ablauf der Kampagne
- Innerhalb einiger Wochen nach Abgabe Ihrer Wasserprobe erhalten Sie die Analyseergebnisse Ihres Grundwassers per Post. Alternativ können Sie diese anonym über eine Probennummer online abrufen. Die Ergebnisse der Kampagne werden anschließend anonym ausgewertet und wissenschaftlich aufbereitet.
- Im Anschluss laden wir interessierte Bürgerinnen und Bürger voraussichtlich im Herbst 2026 zu einem Workshop in Ihrem Kiez ein. Dort stellen wir Ihnen ausführlich die Ergebnisse der Probenkampagne vor. Gemeinsam mit Ihnen möchten wir zudem Maßnahmen für den Grundwasserschutz entwickeln, die kostengünstig und leicht umsetzbar sind. Wenn Sie über diesen Termininformiert werden möchten, können Sie sich hier in unserem E-Mail-Verteiler eintragen.
Ziel des Projekts
urbAnAquifer untersucht, ob undichte Kanalisationen oder Chemikalien aus Gärten das Grundwasser verunreinigen. Das Projekt zielt darauf, den Zustand des städtischen Grundwassers zu erfassen und zu schützen. Dazu werden Wasserproben u. a. an Notbrunnen und Gartenbrunnen gezogen. Die Proben werden auf abwassertypische Inhaltstoffe und Gartenchemikalien untersucht. Ziel ist es auf andere Gebiete übertragbare Methoden zu entwickeln, um Belastungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit Bürger:innen Lösungen zu entwickeln.