Tom Shatwell ist Leiter der neuen Forschungsgruppe „Dynamik von Seeökosystemen” am IGB. | Foto: David Ausserhofer, IGB
Herr Shatwell, Seen sind in den letzten Sommern in aller Munde. Nicht, weil es sich dort so wunderbar baden lässt, sondern weil sie immer weniger Wasser führen oder sich darin massenhaft Algen entwickeln. Wie könnte Ihre Forschung die Welt/den Zustand der Seen in 30 Jahren ein Stückchen verbessert haben? (Sie dürfen träumen.)
Meine Hoffnung ist, dass unsere Forschung in 30 Jahren dazu beigetragen hat, die ökologischen Prozesse in Seen deutlich besser zu verstehen und auch zuverlässiger zu modellieren – sowohl kurzfristige Dynamiken als auch langfristige Veränderungen. In Kombination mit in situ Messungen und Fernerkundung könnten solche Modelle vielleicht eines Tages so etwas wie eine „Vorhersage“ für Seen ermöglichen – ähnlich wie ein Wetterbericht. Dann ließe sich zum Beispiel einige Tage im Voraus abschätzen, wann und wo sich problematische Algenblüten entwickeln könnten. Langfristig wünsche ich mir, dass dieses Wissen auch ganz praktisch genutzt wird: etwa von Wasserbehörden und Seenmanagern, um Trinkwasserreservoire, Badegewässer oder andere wichtige Seen besser zu schützen und zu bewirtschaften. Gleichzeitig hoffe ich, dass wir Seen auch im globalen Maßstab besser verstehen. In vielen Regionen der Welt wissen wir noch erstaunlich wenig über Seen und die Organismen, die dort leben. Ich hoffe, dass unsere Forschung dazu beiträgt, diese Wissenslücken zu schließen.
Wieder in Berlin und am IGB, was geht ihnen dabei durch den Kopf? Auf was - außer auf Ihre Arbeit und die Kolleg*innen – freuen Sie sich besonders?
Die Rückkehr nach Berlin und ans IGB fühlt sich für mich auch ein bisschen nostalgisch an. Ich habe meine Zeit hier sehr genossen und fühlte mich zuhause. Deshalb freue ich mich natürlich sehr darauf, bekannte Gesichter wiederzusehen. Gleichzeitig bin ich gespannt, was sich in der Zwischenzeit alles entwickelt hat – welche neuen Kolleg*innen dazugekommen sind und welche spannenden Forschungsrichtungen entstanden sind. Nach einigen Jahren außerhalb des IGB hoffe ich auch, die Erfahrungen und Perspektiven, die ich in dieser Zeit gesammelt habe, wieder ins Institut einbringen zu können. Ich freue beispielsweise sehr, dass ich mich wieder der Grundlagenforschung widmen kann. Ganz besonders freue ich mich aber darauf, mich wieder intensiver mit dem Müggelsee, die Forschungsstation und den Langzeitdaten zu beschäftigen. Der See und seine Langzeitdaten waren bereits Thema meiner Masterarbeit und meiner Promotion. Diese Datensätze gehören zu den weltweit besten Langzeitreihen für Seen, und es ist ein Privileg, damit weiterarbeiten zu können.
Wenn Sie nicht Forscher geworden wären, was wäre der alternative Traumberuf gewesen?
Eigentlich wollte ich schon als Kind immer irgendetwas mit Wasser machen – deshalb fällt es mir gar nicht so leicht, mir einen anderen Beruf vorzustellen. Gleichzeitig hat mich schon früh die Frage fasziniert, wie die Natur funktioniert und warum Dinge so sind, wie sie sind. Die Astronomie finde ich um Beispiel spannend. Abseits der Wissenschaft arbeite ich aber auch sehr gerne mit den Händen. Dinge zu bauen, zum Beispiel Möbel oder sogar Musikinstrumente fände ich toll.