(Abt. 2) Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme

Binnengewässer beherbergen eine außergewöhnliche biologische Vielfalt, sind Orte intensiven Stoffumsatzes und erbringen wichtige Ökosystemleistungen für die Menschheit. Süßwasserökosysteme sind jedoch vielfältigen Veränderungen und oft gleichzeitig wirkenden Stressfaktoren ausgesetzt. Die Abteilung Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme konzentriert sich auf die Erforschung der Ökologie von aquatischen Lebensgemeinschaften und Ökosystemen und deren Reaktion auf den globalen Wandel. Dazu werden die Prozesse und Wechselwirkungen sowie die Auswirkungen des Menschen auf Süßwasserökosysteme einschließlich deren Treiber untersucht. Ziel ist es, das Verständnis für die Struktur und Funktionsweise von Binnengewässern als Grundlage für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Süßwasserökosystemen zu verbessern. Unsere Forschung konzentriert sich auf vier Themen:

  • Reaktion von Lebensgemeinschaften und biologischer Vielfalt auf sich verändernde Umweltbedingungen
  • Wechselwirkungen zwischen Lebensgemeinschaften, ihrer Umwelt und der Funktionsweise von Ökosystemen
  • Räumlich-zeitlich explizite Muster von Biodiversität auf verschiedenen Ebenen
  • Forschung für nachhaltiges Gewässermanagement

Wir entwickeln und nutzen dafür die Daten des Langzeitmonitorings von Müggelsee und Spree sowie andere Langzeitdatenbanken, verwenden räumlich explizite statistische und deterministische Modellierungsansätze und führen Labor- und Feldexperimente durch. Unsere Abteilung ist eingebunden in die Forschung zum besseren Verständnis der in der Biosphäre ablaufenden Prozesse sowie zu den vielfältigen Auswirkungen des globalen Wandels auf die Biodiversität und in die Entwicklung theoretischer Konzepte in der Ökologie.

Abteilungsmitglieder

Ausgewählte Publikationen

Diversity and Distributions
März 2026
Diversity and Distributions. - 32(2026)3, Art. e70168

The Spatial Discrepancy Between Colombian Freshwater Fish Suitable Habitats and Existing Protected Areas

Thomas Tomiczek; Jaime García Márquez; Robert Arlinghaus; Sami Domisch

Diese Studie zeigt: Nur 25 Prozent der für den Schutz von Süßwasserfischen in Kolumbien identifizierten Prioritätsgebiete überschneiden sich mit bestehenden Schutzgebieten. Die erforderliche Fläche entspricht in etwa der Größe der bestehenden Schutzgebiete. Wichtig wäre jedoch eine effizientere räumliche Verteilung. 

März 2026
Communications Earth & Environment. - 7(2026), Art. 303

A collaborative research agenda for restoring free-flowing rivers

Twan Stoffers; Katariina E. M. Vuorinen; Sibylle Schroer; Phoebe C. Griffith; Miriam Colls; Tibor Erős; Juergen Geist; Mathias Kuemmerlen; Socrates Schouten; Ruben van Treeck; Maria Alp; Damiano Baldan; Sebastian Birk; Olena Bilous; Florian Borgwardt; Mario Brauns; Anthonie D. Buijse; Viola Clausnitzer; Mayra E. Darre; Jelger Elings; Patrick Fink; Teresa Ferreira; Katarzyna Glinska-Lewczuk; Johannes Graupner; Daria Gundermann; Fengzhi He; Thomas Hein; Zeb S. Hogan; Lionel L’Hoste; Paul Meulenbroek; Imanol Miqueleiz; Sathaporn Monprapussorn; Camille L. Musseau; Leopold A. J. Nagelkerke; Joacim Näslund; Paula dos Reis Oliveira; Joachim Pander; Polona Pengal; Marie Pfeiffer; Sebastian L. Rock; Joshua L. Royte; Timo D. Rittweg; Anna Scaini; Astrid Schmidt-Kloiber; Stefan Schmutz; Mathias Scholz; Gabriel A. Singer; Adam Tarkowski; Kimmo T. Tolonen; Jonah Tosney; Martin Tschikof; Jimmy van Rijn; Pieterjan Verhelst; Franziska Walther; Bernhard Wegscheider; Christian Wolter; Chen Xiao; Thomas A. Worthington; Stamatis Zogaris; Sonja C. Jähnig

Die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO) sieht die Renaturierung von mind. 25.000 km frei fließender Flüsse bis 2030 vor. Die Umsetzung ist schwierig, da die Prioritäten je nach ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kontexten variieren. Die Autor*innen entwickelten ein Prozess zur Unterstützung der Umsetzung des WVO-Ziels zur Renaturierung frei fließender Flüsse.

Cover der Fachzeitschrift "One Earth"
März 2026
One earth. - XX(202X)X, Art. 101623

Global assessment of alien freshwater megafauna reveals complex socio-economic impacts

Xing Chen; Thomas G. Evans; Jonathan M. Jeschke; Phoebe Griffith; Sonja C. Jähnig; Fengzhi He

Diese Studie zeigt: Über 40 Prozent der heute lebenden großen Süßwassertierarten (Megafauna) wurden bewusst außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets angesiedelt. Diese gebietsfremden Arten können in den Einführungsregionen zwar wirtschaftliche Vorteile bringen, bergen jedoch zugleich erhebliche und oft unterschätzte Risiken für die einheimische Biodiversität und die lokale Bevölkerung. 

Januar 2026
Journal of Hydrology. - 667(2026), Art. 134882

Dense stands of aquatic plants retain water in lowland rivers and in adjacent floodplain aquifers

Jan Köhler; Jörg Lewandowski

Die Autor*innen fanden mithilfe von Langzeitdaten der Spree heraus, dass Wasserpflanzen sinkende Wasserstände von Tieflandflüssen in einem trockeneren Klima kompensieren können. In den letzten Sommern führten die Wasserpflanzen im unteren Teil der Spree zu einem Wasseranstieg von rund 50 bis 60 cm im Vergleich zur Situation ohne Wasserpflanzen und glichen damit die sinkende Abflussmenge aus. 

Dezember 2025
Nature Communications. - 16(2025), Art. 11146

Current protected areas provide limited benefits for European river biodiversity

James S. Sinclair; Rachel Stubbington; Ellen A. R. Welti; Jukka Aroviita; Nathan J. Baker; Miguel Cañedo-Argüelles; Zoltán Csabai; David Cunillera-Montcusí; Sami Domisch; Martial Ferréol; Mathieu Floury; Marie Anne Eurie Forio; Peter L. M. Goethals; Alexia M. González-Ferreras; Kaisa-Leena Huttunen; Richard K. Johnson; Lenka Kuglerová; Aitor Larrañaga; Timo Muotka; Riku Paavola; Petr Pařil; Jes J. Rasmussen; Ralf B. Schäfer; Rudy Vannevel; Gábor Várbíró; Martin Wilkes; Peter Haase

Schutzgebiete sollen die Biodiversität bewahren und Ökosysteme stabilisieren. Für Flüsse greift das bestehende Konzept jedoch zu kurz. Das internationale Team analysierte über 1.700 Flussstandorte in zehn Ländern über fast vier Jahrzehnte. Die Ergebnisse zeigen, dass Schutzgebiete oft nicht ausreichen, um die Biodiversität und Wasserqualität signifikant zu steigern.