(Abt. 2) Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme

Binnengewässer beherbergen eine außergewöhnliche biologische Vielfalt, sind Orte intensiven Stoffumsatzes und erbringen wichtige Ökosystemleistungen für die Menschheit. Süßwasserökosysteme sind jedoch vielfältigen Veränderungen und oft gleichzeitig wirkenden Stressfaktoren ausgesetzt. Die Abteilung Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme konzentriert sich auf die Erforschung der Ökologie von aquatischen Lebensgemeinschaften und Ökosystemen und deren Reaktion auf den globalen Wandel. Dazu werden die Prozesse und Wechselwirkungen sowie die Auswirkungen des Menschen auf Süßwasserökosysteme einschließlich deren Treiber untersucht. Ziel ist es, das Verständnis für die Struktur und Funktionsweise von Binnengewässern als Grundlage für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Süßwasserökosystemen zu verbessern. Unsere Forschung konzentriert sich auf vier Themen:

  • Reaktion von Lebensgemeinschaften und biologischer Vielfalt auf sich verändernde Umweltbedingungen
  • Wechselwirkungen zwischen Lebensgemeinschaften, ihrer Umwelt und der Funktionsweise von Ökosystemen
  • Räumlich-zeitlich explizite Muster von Biodiversität auf verschiedenen Ebenen
  • Forschung für nachhaltiges Gewässermanagement

Wir entwickeln und nutzen dafür die Daten des Langzeitmonitorings von Müggelsee und Spree sowie andere Langzeitdatenbanken, verwenden räumlich explizite statistische und deterministische Modellierungsansätze und führen Labor- und Feldexperimente durch. Unsere Abteilung ist eingebunden in die Forschung zum besseren Verständnis der in der Biosphäre ablaufenden Prozesse sowie zu den vielfältigen Auswirkungen des globalen Wandels auf die Biodiversität und in die Entwicklung theoretischer Konzepte in der Ökologie.

Ansprechpersonen

Sonja Jähnig

Abteilungsleiter*in
Forschungsgruppe
Aquatische Ökogeographie

Abteilungsmitglieder

Ausgewählte Publikationen

Dezember 2021
Journal of Applied Ecology. - 58(2021)9, 1933-1944

Increased sediment deposition triggered by climate change impacts freshwater pearl mussel habitats and metapopulations

Damiano Baldan; Jens Kiesel; Christoph Hauer; Sonja C. Jähnig; Thomas Hein

Die Autor*innen untersuchten den Einfluss des Klimawandels auf die Flussperlmuschel durch eine gekoppelte, komplexe Modellkaskade im Einzugsgebiet der Aist (Österreich): Abflussänderungen würden zu einer verringerten Sediment-Transportkapazität u. so zu erhöhtem Feinsedimenteintrag führen. Dadurch sinkt die Ausbreitungswahrscheinlichkeit der Muschel auf bis zu 76 % des max. theoretischen Wertes. 

Dezember 2021
PLoS Biology. - 19(2021)8, e3001365

PhyloFisher: a phylogenomic package for resolving eukaryotic relationships

Alexander K. Tice; David Žihala; Tomáš Pánek; Robert E. Jones; Eric D. Salomaki; Serafim Nenarokov; Fabien Burki; Marek Eliáš; Laura Eme; Andrew J. Roger; Antonis Rokas; Xing-Xing Shen; Jürgen F. H. Strassert; Martin Kolísko; Matthew W. Brown

Die Autor*innen entwickelten eine benutzerfreundliche Software („PhyloFisher“) für phylogenomische Analysen von Eukaryoten. Das Programmpaket erleichtert die Erstellung und Untersuchung von Proteinsequenzdatensätzen, Post-Assembly-Analysen sowie die Darstellung der gewonnenen Ergebnisse.

 

Dezember 2021
Systematic Biology. - 71(2022)1, 105–120

Phylogenomic insights into the origin of primary plastids

Iker Irisarri; Jürgen F. H. Strassert; Fabien Burki

Sind primäre Plastiden durch eine einzige oder mehrere Endosymbiosen zwischen einem heterotrophen Wirtseukaryot und Cyanobakterien entstanden? Phylogenomische Analysen der primärplastid-tragenden Wirte (Archaeplastida) sprechen für eine einmalige Symbiose, führen jedoch zu der Frage, ob die zu den Archaeplastida gehörenden Picozoa ihre Plastiden wieder verloren haben.

November 2021
Journal of Biogeography. - 48(2021)8, 1842-1857

Spatial and local environmental factors outweigh geo-climatic gradients in structuring taxonomically and trait-based β-diversity of benthic algae

Naicheng Wu; Shuchan Zhou; Min Zhang; Wenqi Peng; Kun Guo; Xiaodong Qu; Fengzhi He

Die Autor*innen untersuchten verschiedene Facetten der β-Diversität von benthischen Algen in Fließgewässern im Nordosten Chinas. Sie fanden heraus, dass lokale Umwelt- und Raumfaktoren bei der Strukturierung der taxonomischen und merkmalsbasierten β-Diversität von benthischen Algen wichtiger sind als geoklimatische Variablen.

November 2021
Biological Conservation. - 263(2021), Art. 109335

Impacts of loss of free-flowing rivers on global freshwater megafauna

Fengzhi He; Michele Thieme; Christiane Zarfl; Günther Grill; Bernhard Lehner; Zeb Hogan; Klement Tockner; Sonja C. Jähnig

Die Autor*innen zeigten: Wenn alle beabsichtigten Staudämme gebaut werden, verlieren weltweit 19 Prozent der Flüsse mit über 500 Kilometern Länge, in denen große Tiere vorkommen, ihren Status als frei fließende Gewässer. Diese Gewässer beherbergen heute noch den höchsten Artenreichtum an großen Tieren – mehr als die dann verbleibenden frei fließenden Flüsse oder solche, die bereits verbaut sind.

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