(Abt. 2) Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme
Binnengewässer beherbergen eine außergewöhnliche biologische Vielfalt, sind Orte intensiven Stoffumsatzes und erbringen wichtige Ökosystemleistungen für die Menschheit. Süßwasserökosysteme sind jedoch vielfältigen Veränderungen und oft gleichzeitig wirkenden Stressfaktoren ausgesetzt. Die Abteilung Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme konzentriert sich auf die Erforschung der Ökologie von aquatischen Lebensgemeinschaften und Ökosystemen und deren Reaktion auf den globalen Wandel. Dazu werden die Prozesse und Wechselwirkungen sowie die Auswirkungen des Menschen auf Süßwasserökosysteme einschließlich deren Treiber untersucht. Ziel ist es, das Verständnis für die Struktur und Funktionsweise von Binnengewässern als Grundlage für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Süßwasserökosystemen zu verbessern. Unsere Forschung konzentriert sich auf vier Themen:
- Reaktion von Lebensgemeinschaften und biologischer Vielfalt auf sich verändernde Umweltbedingungen
- Wechselwirkungen zwischen Lebensgemeinschaften, ihrer Umwelt und der Funktionsweise von Ökosystemen
- Räumlich-zeitlich explizite Muster von Biodiversität auf verschiedenen Ebenen
- Forschung für nachhaltiges Gewässermanagement
Wir entwickeln und nutzen dafür die Daten des Langzeitmonitorings von Müggelsee und Spree sowie andere Langzeitdatenbanken, verwenden räumlich explizite statistische und deterministische Modellierungsansätze und führen Labor- und Feldexperimente durch. Unsere Abteilung ist eingebunden in die Forschung zum besseren Verständnis der in der Biosphäre ablaufenden Prozesse sowie zu den vielfältigen Auswirkungen des globalen Wandels auf die Biodiversität und in die Entwicklung theoretischer Konzepte in der Ökologie.
Forschungsgruppen
Abteilungsmitglieder
Ausgewählte Publikationen
The Spatial Discrepancy Between Colombian Freshwater Fish Suitable Habitats and Existing Protected Areas
Diese Studie zeigt: Nur 25 Prozent der für den Schutz von Süßwasserfischen in Kolumbien identifizierten Prioritätsgebiete überschneiden sich mit bestehenden Schutzgebieten. Die erforderliche Fläche entspricht in etwa der Größe der bestehenden Schutzgebiete. Wichtig wäre jedoch eine effizientere räumliche Verteilung.
Global assessment of alien freshwater megafauna reveals complex socio-economic impacts
Diese Studie zeigt: Über 40 Prozent der heute lebenden großen Süßwassertierarten (Megafauna) wurden bewusst außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets angesiedelt. Diese gebietsfremden Arten können in den Einführungsregionen zwar wirtschaftliche Vorteile bringen, bergen jedoch zugleich erhebliche und oft unterschätzte Risiken für die einheimische Biodiversität und die lokale Bevölkerung.
Dense stands of aquatic plants retain water in lowland rivers and in adjacent floodplain aquifers
Die Autor*innen fanden mithilfe von Langzeitdaten der Spree heraus, dass Wasserpflanzen sinkende Wasserstände von Tieflandflüssen in einem trockeneren Klima kompensieren können. In den letzten Sommern führten die Wasserpflanzen im unteren Teil der Spree zu einem Wasseranstieg von rund 50 bis 60 cm im Vergleich zur Situation ohne Wasserpflanzen und glichen damit die sinkende Abflussmenge aus.
Current protected areas provide limited benefits for European river biodiversity
Schutzgebiete sollen die Biodiversität bewahren und Ökosysteme stabilisieren. Für Flüsse greift das bestehende Konzept jedoch zu kurz. Das internationale Team analysierte über 1.700 Flussstandorte in zehn Ländern über fast vier Jahrzehnte. Die Ergebnisse zeigen, dass Schutzgebiete oft nicht ausreichen, um die Biodiversität und Wasserqualität signifikant zu steigern.
Flow variability and macroinvertebrates jointly regulate stream periphyton and metabolism: Insights from experimental stream mesocosms
In Mesokosmos-Experimenten in Fließgewässern wurde untersucht, wie sich ein reduzierter Durchfluss und eine Abfolge höherer Abflüsse mit/ohne Makroinvertebraten auf Periphyton, Algenvolumen und Ökosystem-Metabolismus auswirken. Abflussvariabilität und Makroinvertebraten steuern gemeinsam Struktur u. Stoffwechsel des Periphytons, Makroinvertebraten stabilisieren die Reaktion auf Störungen.