Schadstoffe und Belastungen

Gewässer werden von Menschen intensiv genutzt und sind deswegen verschiedenen Belastungen ausgesetzt. Wir erforschen die komplexen Zusammenhänge und Wirkungen der unterschiedlichen Stressoren: Wie gelangen Nähr- und Schadstoffe in unsere Oberflächengewässer, welche Faktoren sind dabei zentral, und wo sind Flüsse und Seen in einem besonders schlechten Zustand? Nährstoffeinträge von Stickstoff und Phosphat können beispielsweise die Wasserqualität beeinträchtigen und zu Algenblüten führen. Pharmaka und Biozide werden in Kläranlagen häufig nicht vollständig abgebaut, gelangen so in Flüsse und Seen und können den Hormonstoffwechsel von Fischen und Amphibien beeinträchtigen. Als Folge des Bergbaus können Kali und Sulfat die angrenzenden Gewässer belasten. Landnutzungswandel, Urbanisierung, Gewässerverbauung und die zunehmende künstliche Beleuchtung bei Nacht (Lichtverschmutzung) erhöhen den Druck auf unsere Binnengewässer zusätzlich. Bei unserer Forschung erkennen wir die menschliche Nutzung als wichtigen Teil der Wirklichkeit an – nur so lassen sich zukunftsfähige Lösungen entwickeln.

Meldungen zum Thema

Blitzlicht

Wie Phosphor langfristig im Sediment von Seen gebunden wird

Zu hohe Einträge von Phosphor verursachen die Anreicherung dieses Nährstoffs in Gewässern. Seesedimente können Phosphor speichern. In Laborversuchen hat ein IGB-Team erforscht, unter welchen Bedingungen das dauerhaft gelingt.

Publikationen zum Thema

Juni 2021
Conservation Physiology. - 9(2021)1, coaa124

Misbalance of thyroid hormones after two weeks of exposure to artificial light at night in Eurasian perch Perca fluviatilis

Franziska Kupprat; Werner Kloas; Angela Krüger; Claudia Schmalsch; Franz Hölker

In einer Laborstudie wurde getestet, ob Lichtverschmutzung die Schilddrüsenhormone bei Flussbarschen beeinflusst. Die Tiere zeigten Anzeichen einer Störung des Schilddrüsenstoffwechsels bereits nach einer Exposition von 2 Wochen unter intensiver Straßenbeleuchtung. Ein gestörter Schilddrüsenstatus kann schwere Auswirkungen auf den Stoffwechsel sowie auf die Entwicklung- u. Fortpflanzung haben.

Juni 2021
Environmental Science and Technology. - 55(2021), 5620-5628

The role of behavioral ecotoxicology in environmental protection

Alex T. Ford; Marlene Ågerstrand; Bryan W. Brooks; Joel Allen; Michael G. Bertram; Tomas Brodin; ZhiChao Dang; Sabine Duquesne; René Sahm; Frauke Hoffmann; Henner Hollert; Stefanie Jacob; Nils Klüver; James M. Lazorchak; Mariana Ledesma; Steven D. Melvin; Silvia Mohr; Stephanie Padilla; Gregory G. Pyle; Stefan Scholz; Minna Saaristo; Els Smit; Jeffery A. Steevens; Sanne van den Berg; Werner Kloas; Bob B.M. Wong; Michael Ziegler; Gerd Maack

Viele Schadstoffe beeinflussen das Verhalten von Organismen und die nachfolgenden ökologischen Prozesse. Um die Herausforderungen u. Potenziale der Verhaltensökotoxikologie für die regulatorische Toxikologie/Risikobewertung besser zu verstehen, haben die Autor*innen Perspektiven und Empfehlungen formuliert – als Roadmap für alle Akteur*innen an der Schnittstelle von Forschung und Praxis.

Januar 2021
Nature Ecology & Evolution. - 4(2020), S. 318–319

Lunar illuminated fraction is a poor proxy for moonlight exposure

Christopher C. M. Kyba; Jeff Conrad and Tom Shatwell

Die Autor*innen schlagen vor, dass der  beleuchtete Teil des Mondes generell nicht in biologischen Studien verwendet werden sollte, da alternative Variablen wie die horizontale Beleuchtungsstärke die Mondlichtexposition besser darstellen und daher eine größere Chance bieten, die Auswirkungen des Mondlichts zu erkennen. Sie erklären, wie das Mondlicht mit der Jahres- und Nachtzeit variiert.

Januar 2021
Environmental Pollution. - 264(2020), art. 114793

Uptake and physiological effects of the neonicotinoid imidacloprid and its commercial formulation Confidor® in a widespread freshwater oligochaete

Valeska Contardo-Jara; Mark O.Gessner

Imidacloprid (IMI) ist eines der weltweit am häufigsten eingesetzten neuroaktiven Insektizide und gelangt in vielen Ländern in Oberflächengewässer, in der EU wurde es kürzlich für die Anwendung im Freien verboten. In der Studie wurden die Auswirkungen von reinem IMI und seiner kommerziellen Formulierung Confidor® auf Lumbriculus variegatus, eine Schlüsselart in Süßwassersedimenten, untersucht.

Januar 2021
Environmental Science : Nano. - 7(2020)7, S. 2130-2139

Nanosilver impacts on aquatic microbial decomposers and litter decomposition assessed as pollution-induced community tolerance (PICT)

Daniela Batista; Ahmed Tlili; Mark O. Gessner; Cláudia Pascoalab and Fernanda Cássio

Die Studie zeigt, dass Veränderungen der mikrobiellen Gemeinschaften, die chronisch niedrigen Konzentrationen von Silbernanopartikeln ausgesetzt waren, die Toleranz der Gemeinschaft gegenüber Silber erhöhen; wie im Konzept der Schadstoff-induzierten Toleranz von Lebensgemeinschaften (PICT) beschrieben, und dass sich daraus Konsequenzen für den Schlüsselprozess der Laubzersetzung in Bächen ergeben.

Projekte zum Thema

Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung (AuBe)

Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung Tatort Straßenbeleuchtung ist dem nächtlichen Insektensterben auf der Spur. Straßenbeleuchtung kann nachtaktive Fluginsekten stark beeinträchtigen, da viele Insekten vom Licht der Leuchten angezogen und ihren eigentlichen Lebensräumen entzogen werden. Helfen Sie mit, zu untersuchen, welche Insekten von Straßenbeleuchtung beeinträchtigt werden und wie umweltgerechte Beleuchtungslösungen helfen, den Lebensraum der Insekten zu erhalten.
Ansprechpersonen
Sibylle Schroer
Franz Hölker
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
Beginn
06/2019
Ende
05/2025
Themenbereiche

ACTION

ACTION verändert die Art und Weise, wie wir heute Bürgerwissenschaft (Citizen Science) betreiben.
Ansprechpersonen
Franz Hölker
Kat Austen
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
Beginn
02/2019
Ende
01/2022
Themenbereiche

Steuergrößen der Freisetzung gelöster organischer Substanz,

Hauptziel des Projekts ist die Identifizierung von Faktoren, die maßgeblich die Höhe der Freisetzung gelöster organischer Substanz und die daran geknüpfte Methanbildung in diesen neuartigen Ökosystemen kontrollieren. Mit dieser Arbeit wird ein signifikanter Beitrag zum Verständnis der Stoffdynamik und damit zur Langzeitentwicklung wiedervernässter Moore erwartet.
Ansprechpersonen
Dominik Zak
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
Beginn
04/2014
Ende
08/2017
Themenbereiche

TocAqua

Understanding the responses of carbon quality and quantity on carbon turn-over and  C assimilation in the microbial food web.
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
Beginn
09/2013
Ende
06/2017
Themenbereiche

Urban Water Interfaces

DFG Graduiertenschule  
Ansprechpersonen
Mark Gessner
Sabine Hilt
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
(Abt. 2) Ökosystemforschung
(Abt. 3) Experimentelle Limnologie
Beginn
07/2015
Ende
06/2024
Themenbereiche

Veranstaltungen zum Thema

09. Dez.
online
Kolloquium

Prof. Iran E. Lima Neto

Ecohydrology and phosphorus exchange between lake water and sediments in the Banabuiú River Watershed, NE‐Brazil

Downloads zum Thema

Ist es hell, oder schon zu grell?

Tipps für die Gestaltung von Außenbeleuchtungen, zur Schonung der Umwelt, der allgemeinen Gesundheit und zur Einsparung von Steuergeldern.

Naturschutz nach Sonnenuntergang

Empfehlungen speziell für die Beleuchtung von Schutzgebieten.

Schutz der Nacht - Lichtverschmutzung, Biodiversität und Nachtlandschaft

BfN Skripten 336

MONERIS

Stadt, Land, Fluss - Modellierung und Management von Nährstoffbelastungen in Gewässern

Expert*innen zum Thema

Tobias Goldhammer

Programmbereichssprecher*in
Forschungsgruppe
Nährstoffkreisläufe und chemische Analytik

Franz Hölker

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Lichtverschmutzung und Ökophysiologie

Ilka Lutz

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Wirkungen hormonell wirksamer Stoffe

Thomas Meinelt

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Fischpathologie, Ökotoxikologie und Stressökologie

Matthias Stöck

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Evolutionsbiologie und Ökotoxikologie von Amphibien und Fischen

Markus Venohr

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Flussgebietsmodellierung

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