Schadstoffe und Belastungen

Gewässer werden von Menschen intensiv genutzt und sind deswegen verschiedenen Belastungen ausgesetzt. Wir erforschen die komplexen Zusammenhänge und Wirkungen der unterschiedlichen Stressoren: Wie gelangen Nähr- und Schadstoffe in unsere Oberflächengewässer, welche Faktoren sind dabei zentral, und wo sind Flüsse und Seen in einem besonders schlechten Zustand? Nährstoffeinträge von Stickstoff und Phosphat können beispielsweise die Wasserqualität beeinträchtigen und zu Algenblüten führen. Pharmaka und Biozide werden in Kläranlagen häufig nicht vollständig abgebaut, gelangen so in Flüsse und Seen und können den Hormonstoffwechsel von Fischen und Amphibien beeinträchtigen. Als Folge des Bergbaus können Kali und Sulfat die angrenzenden Gewässer belasten. Landnutzungswandel, Urbanisierung, Gewässerverbauung und die zunehmende künstliche Beleuchtung bei Nacht (Lichtverschmutzung) erhöhen den Druck auf unsere Binnengewässer zusätzlich. Bei unserer Forschung erkennen wir die menschliche Nutzung als wichtigen Teil der Wirklichkeit an – nur so lassen sich zukunftsfähige Lösungen entwickeln.

Meldungen zum Thema

Pressemitteilung

Grundwasser in Arendsee nach wie vor belastet

Im Frühjahr2022 hatte ein Forschungsteam des IGB gemeinsam mit Studierenden der HU Berlin umfangreiche Grundwasseruntersuchungen am Arendsee durchgeführt. Ziel war es eine Messkampagne aus dem Jahr 2012 zu wiederholen, um festzustellen, ob sich in den letzten 10 Jahren die Nährstoffeinträge in den Arendsee über das Grundwasser verändert haben.
Pressemitteilung

Radler brauchen Licht, Fledermäuse die Dunkelheit

Forschende von IZW und IGB untersuchen in Kooperation mit der Stadt Münster, ob ein dynamisches Beleuchtungskonzept, welches nur bei Anwesenheit von Radfahrenden die Wege beleuchtet, den negativen Einfluss auf Fledermäuse reduzieren kann.
Pressemitteilung

Schutz der Biodiversität: Dunkle Infrastruktur schaffen

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des IGB plädiert für die weltweite Entwicklung einer dunklen Infrastruktur. Damit sind Bereiche und Korridore ohne unnötiges künstliches Licht bei Nacht gemeint, welche die biologische Vielfalt vor Lichtverschmutzung schützen. Eine Anleitung für den Weg dorthin.

Publikationen zum Thema

Februar 2022
Biogeochemistry. - 157(2022), 355–378

Divergent roles of iron and aluminum in sediment organic matter association at the terrestrial–aquatic interface

Kai Nils Nitzsche; Zachary E. Kayler; Katrin Premke; Arthur Gessler; Rota Wagai

Studie dazu, ob die Variation des Redox- u. pH-Regimes bestimmt, wie Eisen (Fe) u. Aluminium (Al) mit organischem Material (OM) in oberflächennahen mineralischen Sedimenten interagieren. Reaktives monomeres Al bindet unter saureren u. anoxischen Bedingungen ehr an organische Liganden, die aus weniger zersetztem OM stammen; Fe mit niedriger Kristallinität eher an mikrobiell verarbeitetes OM.

Dezember 2021
Landscape and Urban Planning. - 219(2022), Art. 104332

A plea for a worldwide development of dark infrastructure for biodiversity: practical examples and ways to go forward

Romain Sordello; Samuel Busson; Jérémie H. Cornuau; Philippe Deverchèrd; Baptiste Faure; Adrien Guetté; Franz Hölker; Christian Kerbiriouh; Thierry Lengagnei; Isabelle Le Viol; Travis Longcore; Pascal Moeschler; Jessica Ranzoni; Nicolas Raymn; Yorick Reyjol; Yoann Roulet; Sibylle Schroer; Jean Secondii; Nicolas Valet; Sylvie Vanpeene; Sébastien Vauclair

Die Autor*innen plädieren für die weltweite Entwicklung einer dunklen Infrastruktur. Damit sind Bereiche und Korridore ohne unnötiges künstliches Licht bei Nacht gemeint, welche die biologische Vielfalt vor Lichtverschmutzung schützen. Eine Anleitung für den Weg dorthin.

Dezember 2021
Water Research. - 196(2021), Art. 116981

Making waves. Bridging theory and practice towards multiple stressor management in freshwater ecosystems

Bryan M. Spears; Daniel S. Chapman; Laurence Carvalho; Christian K. Feld; Mark O. Gessner; Jeremy J. Piggott; Lindsay F. Banin; Cayetano Gutiérrez-Cánovas; Anne Lyche Solheim; Jessica A. Richardson; Rafaela Schinegger; Pedro Segurado; Stephen J. Thackeray; Sebastian Birk

Der Artikel identifiziert Schwächen von Managementstrategien multipler Stressoren in Gewässern und entwickelt einen empirischen Rahmen, um diese anzugehen. Für den Einsatz empirischer Modelle und Experimente werden Empfehlungen gegeben, um Auswirkungen mehrerer gleichzeitig auftretender Stressoren besser vorherzusagen. Dabei werden praktische Hinweise für 3 Szenarien multipler Stressoren gegeben.

November 2021
BioScience. - 71(2021)7, 1103–1109

The impact of light pollution on bats varies according to foraging guild and habitat context

Christian C. Voigt; Jasja Dekker; Marcus Fritze; Suren Gazaryan; Franz Hölker; Gareth Jones; Daniel Lewanzik; Herman J.G.A. Limpens; Fiona Mathews; Jens Rydell; Kamiel Spoelstra; Maja Zagmajster

Die Autor*innen bewerten, wie Fledermäuse auf Lichtverschmutzung reagieren u. wie die Auswirkungen je nach ökologischem Kontext variieren. Alle untersuchten Fledermausarten werden z.B. in der Nähe von Schlaf- u. Trinkplätzen beeinträchtigt, bei unterschiedlichen Lichtfarben u. -intensitäten. Die zunehmende Lichtverschmutzung könnte ein Schlüsselfaktor für den Verlust der Fledermausvielfalt sein.

Juni 2021
Environmental Science and Technology. - 55(2021), 5620-5628

The role of behavioral ecotoxicology in environmental protection

Alex T. Ford; Marlene Ågerstrand; Bryan W. Brooks; Joel Allen; Michael G. Bertram; Tomas Brodin; ZhiChao Dang; Sabine Duquesne; René Sahm; Frauke Hoffmann; Henner Hollert; Stefanie Jacob; Nils Klüver; James M. Lazorchak; Mariana Ledesma; Steven D. Melvin; Silvia Mohr; Stephanie Padilla; Gregory G. Pyle; Stefan Scholz; Minna Saaristo; Els Smit; Jeffery A. Steevens; Sanne van den Berg; Werner Kloas; Bob B.M. Wong; Michael Ziegler; Gerd Maack

Viele Schadstoffe beeinflussen das Verhalten von Organismen und die nachfolgenden ökologischen Prozesse. Um die Herausforderungen u. Potenziale der Verhaltensökotoxikologie für die regulatorische Toxikologie/Risikobewertung besser zu verstehen, haben die Autor*innen Perspektiven und Empfehlungen formuliert – als Roadmap für alle Akteur*innen an der Schnittstelle von Forschung und Praxis.

Projekte zum Thema

Ansprechpersonen
Jörg Lewandowski
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
Beginn
03/2022
Ende
04/2022
Themenbereiche

Wirt-Parasit-Interaktionen hybridisierender Daphnien

Durch globale Erwärmung beschleunigte Eutrophierung stellt ein weltweites ökologisches Problem dar, das die Stabilität aquatischer Ökosysteme auch langfristig beeinflusst. Wir untersuchen, ob und wie Eutrophierung sich auf zwei interagierende evolutionäre Prozesse auswirkt: Verbreitung von Krankheiten und interspezifische Hybridisierung.
Ansprechpersonen
Justyna Wolinska
Abteilung(en)
(Abt. 5) Evolutionäre und Integrative Ökologie
Beginn
01/2017
Ende
12/2019
Themenbereiche

Urban Water Interfaces

DFG Graduiertenschule  
Ansprechpersonen
Mark Gessner
Sabine Hilt
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
(Abt. 2) Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme
(Abt. 3) Plankton- und Mikrobielle Ökologie
Beginn
07/2015
Ende
06/2024
Themenbereiche

ACTION

ACTION verändert die Art und Weise, wie wir heute Bürgerwissenschaft (Citizen Science) betreiben.
Ansprechpersonen
Franz Hölker
Kat Austen
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
Beginn
02/2019
Ende
01/2022
Themenbereiche

Verlust der Nacht

Internationaler Forschungsverbund zur Erforschung von Ursachen und Folgen künstlicher Beleuchtung für Umwelt, Natur und Mensch.
Ansprechpersonen
Franz Hölker
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
(Abt. 4) Biologie der Fische, Fischerei und Aquakultur
Beginn
01/2010
Ende
12/2013
Themenbereiche

Downloads zum Thema

Ist es hell, oder schon zu grell?

Tipps für die Gestaltung von Außenbeleuchtungen, zur Schonung der Umwelt, der allgemeinen Gesundheit und zur Einsparung von Steuergeldern.

Naturschutz nach Sonnenuntergang

Empfehlungen speziell für die Beleuchtung von Schutzgebieten.

Schutz der Nacht - Lichtverschmutzung, Biodiversität und Nachtlandschaft

BfN Skripten 336

MONERIS

Stadt, Land, Fluss - Modellierung und Management von Nährstoffbelastungen in Gewässern

Expert*innen zum Thema

Tobias Goldhammer

Programmbereichssprecher*in
Forschungsgruppe
Nährstoffkreisläufe und chemische Analytik

Franz Hölker

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Lichtverschmutzung und Ökophysiologie

Ilka Lutz

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Wirkungen hormonell wirksamer Stoffe

Thomas Meinelt

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Fischpathologie, Ökotoxikologie und Stressökologie

Stephanie Spahr

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Organische Schadstoffe

Matthias Stöck

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Evolutionsbiologie und Ökotoxikologie von Amphibien und Fischen

Markus Venohr

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Flussgebietsmodellierung

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