Schadstoffe und Belastungen

Gewässer werden von Menschen intensiv genutzt und sind deswegen verschiedenen Belastungen ausgesetzt. Wir erforschen die komplexen Zusammenhänge und Wirkungen der unterschiedlichen Stressoren: Wie gelangen Nähr- und Schadstoffe in unsere Oberflächengewässer, welche Faktoren sind dabei zentral, und wo sind Flüsse und Seen in einem besonders schlechten Zustand? Nährstoffeinträge von Stickstoff und Phosphat können beispielsweise die Wasserqualität beeinträchtigen und zu Algenblüten führen. Pharmaka und Biozide werden in Kläranlagen häufig nicht vollständig abgebaut, gelangen so in Flüsse und Seen und können den Hormonstoffwechsel von Fischen und Amphibien beeinträchtigen. Als Folge des Bergbaus können Kali und Sulfat die angrenzenden Gewässer belasten. Landnutzungswandel, Urbanisierung, Gewässerverbauung und die zunehmende künstliche Beleuchtung bei Nacht (Lichtverschmutzung) erhöhen den Druck auf unsere Binnengewässer zusätzlich. Bei unserer Forschung erkennen wir die menschliche Nutzung als wichtigen Teil der Wirklichkeit an – nur so lassen sich zukunftsfähige Lösungen entwickeln.

Meldungen zum Thema

Pressemitteilung

Saurer Regen war gestern?

Saurer Regen gehört eigentlich der Vergangenheit an, doch noch immer steigen die Sulfatkonzentrationen in vielen Binnengewässern weltweit. Eine Studie gibt den Überblick über die Quellen und die Folgen von Sulfatbelastung.
Blitzlicht

Der lange Arm des Tagebaus

Giulia Friedland und Michael Hupfer haben untersucht, ob und in welchem Ausmaß Stoffe aus dem Tagebau im Lausitzer Revier in den Sedimenten der Spree abgelagert werden: 90 Kilometer weit reicht ihre Signatur im Gewässerboden.
Blitzlicht

Corona-Lockdown lässt Sterne leuchten

Als Maßnahme gegen COVID-19 wurde das öffentliche Leben im März 2020 zum ersten Mal stark eingeschränkt. Hat sich dadurch auch die Lichtverschmutzung verändert – die Aufhellung des Nachthimmels durch zu viel künstliches Licht?

Publikationen zum Thema

Januar 2021
Nature Ecology & Evolution. - 4(2020), S. 318–319

Lunar illuminated fraction is a poor proxy for moonlight exposure

Christopher C. M. Kyba; Jeff Conrad and Tom Shatwell

Die Autor*innen schlagen vor, dass der  beleuchtete Teil des Mondes generell nicht in biologischen Studien verwendet werden sollte, da alternative Variablen wie die horizontale Beleuchtungsstärke die Mondlichtexposition besser darstellen und daher eine größere Chance bieten, die Auswirkungen des Mondlichts zu erkennen. Sie erklären, wie das Mondlicht mit der Jahres- und Nachtzeit variiert.

Januar 2021
Environmental Science : Nano. - 7(2020)7, S. 2130-2139

Nanosilver impacts on aquatic microbial decomposers and litter decomposition assessed as pollution-induced community tolerance (PICT)

Daniela Batista; Ahmed Tlili; Mark O. Gessner; Cláudia Pascoalab and Fernanda Cássio

Die Studie zeigt, dass Veränderungen der mikrobiellen Gemeinschaften, die chronisch niedrigen Konzentrationen von Silbernanopartikeln ausgesetzt waren, die Toleranz der Gemeinschaft gegenüber Silber erhöhen; wie im Konzept der Schadstoff-induzierten Toleranz von Lebensgemeinschaften (PICT) beschrieben, und dass sich daraus Konsequenzen für den Schlüsselprozess der Laubzersetzung in Bächen ergeben.

Januar 2021
Environmental Pollution. - 264(2020), art. 114793

Uptake and physiological effects of the neonicotinoid imidacloprid and its commercial formulation Confidor® in a widespread freshwater oligochaete

Valeska Contardo-Jara; Mark O.Gessner

Imidacloprid (IMI) ist eines der weltweit am häufigsten eingesetzten neuroaktiven Insektizide und gelangt in vielen Ländern in Oberflächengewässer, in der EU wurde es kürzlich für die Anwendung im Freien verboten. In der Studie wurden die Auswirkungen von reinem IMI und seiner kommerziellen Formulierung Confidor® auf Lumbriculus variegatus, eine Schlüsselart in Süßwassersedimenten, untersucht.

Dezember 2020
Earth-Science Reviews. - 212(2021), Art. 103446

Sulphate in freshwater ecosystems: a review of sources, biogeochemical cycles, ecotoxicological effects and bioremediation

Dominik Zak; Michael Hupfer; Alvaro Cabezas; Gerald Jurasinski; Joachim Audet; Andreas Kleeberg; Robert McInnes; Søren Munch Kristiansen; Rasmus Jes Petersen; Haojie Liu; Tobias Goldhammer

Die Sulfatbelastung von Binnengewässern ist ein anhaltendes globales Problem. Klimawandel, Landnutzung und Bergbau zählen zu den Hauptursachen. Die Übersichtsarbeit zeigt, dass Sulfat den biogeochemischen Umsatz von Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor beeinflusst und toxische Effekte auf aquatische Organismen haben kann. Bioremediation in Pufferzonen ist ein Instrument zur Schadensbegrenzung.

Projekte zum Thema

ACTION

ACTION verändert die Art und Weise, wie wir heute Bürgerwissenschaft (Citizen Science) betreiben.
Ansprechpartner
Franz Hölker
Kat Austen
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie
Beginn
02/2019
Ende
01/2022
Themenbereiche

Sulfat in Spree und Müggelsee

Wissenschaftliche Untersuchungen in Bergbaufolgelandschaften am Beispiel der Problematik "Braune Spree". Langzeitentwicklung der Sulfatkonzentration in der Spree sowie im Müggelsee...
Ansprechpartner
Tobias Goldhammer
Thomas Rossoll
Abteilung(en)
(Abt. 6) Chemische Analytik und Biogeochemie
Beginn
05/2015
Ende
12/2020
Themenbereiche

FIThydro – Fishfreundliche innovative Technologien für Wasserkraft

FIThydro erarbeitet Entscheidungshilfen für die Kommissisonierung und den Betrieb von Wasserkraftanlagen unter Nutzung existierender und innovativer Technologien sowie der integrierten Betrachtung ökologischer, technischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Perspektiven, um die nachhaltige Wasserkraftnutzung zu fördern und ökologische beeinträchtigungen zu minimieren.
Ansprechpartner
Christian Wolter
Abteilung(en)
(Abt. 4) Biologie und Ökologie der Fische
Beginn
11/2016
Ende
10/2020
Themenbereiche

Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung (AuBe)

Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung Tatort Straßenbeleuchtung ist dem nächtlichen Insektensterben auf der Spur. Straßenbeleuchtung kann nachtaktive Fluginsekten stark beeinträchtigen, da viele Insekten vom Licht der Leuchten angezogen und ihren eigentlichen Lebensräumen entzogen werden. Helfen Sie mit, zu untersuchen, welche Insekten von Straßenbeleuchtung beeinträchtigt werden und wie umweltgerechte Beleuchtungslösungen helfen, den Lebensraum der Insekten zu erhalten.
Ansprechpartner
Sibylle Schroer
Franz Hölker
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie
Beginn
06/2019
Ende
05/2025
Themenbereiche

Wirt-Parasit-Interaktionen hybridisierender Daphnien

Durch globale Erwärmung beschleunigte Eutrophierung stellt ein weltweites ökologisches Problem dar, das die Stabilität aquatischer Ökosysteme auch langfristig beeinflusst. Wir untersuchen, ob und wie Eutrophierung sich auf zwei interagierende evolutionäre Prozesse auswirkt: Verbreitung von Krankheiten und interspezifische Hybridisierung.
Ansprechpartner
Justyna Wolinska
Abteilung(en)
(Abt. 2) Ökosystemforschung
Beginn
01/2017
Ende
12/2019
Themenbereiche

Downloads zum Thema

Ist es hell, oder schon zu grell?

Tipps für die Gestaltung von Außenbeleuchtungen, zur Schonung der Umwelt, der allgemeinen Gesundheit und zur Einsparung von Steuergeldern.

Naturschutz nach Sonnenuntergang

Empfehlungen speziell für die Beleuchtung von Schutzgebieten.

Schutz der Nacht - Lichtverschmutzung, Biodiversität und Nachtlandschaft

BfN Skripten 336

MONERIS

Stadt, Land, Fluss - Modellierung und Management von Nährstoffbelastungen in Gewässern

Experten zum Thema

Franz Hölker

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Lichtverschmutzung und Ökophysiologie

Ilka Lutz

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Wirkungen hormonell wirksamer Stoffe

Thomas Meinelt

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Fischpathologie, Ökotoxikologie und Stressökologie

Matthias Stöck

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Evolutionsbiologie und Ökotoxikologie von Amphibien und Fischen

Markus Venohr

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Flussgebietsmodellierung

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