Michael Hupfer ist neuer Präsident der Deutschen Gesellschaft für Limnologie. | Foto: David Ausserhofer
Herr Hupfer, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Ernennung als DGL-Präsident. Wenn Sie es mit eigenen Worten beschreiben: Was zeichnet die DGL für Sie persönlich aus?
Tatsächlich spielt die DGL eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Ich bin seit mehr als 30 Jahren Mitglied, davon sechs Jahre im Präsidium. Als ich dazukam, war die Gesellschaft erst zehn Jahre alt. Mich hat damals schon beeindruckt, dass die DGL eine Plattform für einen regen und fördernden Informationsaustausch zwischen Wissenschaft und Praxis bietet und durch das gemeinsame Wirken für den Schutz und Erhalt von Gewässern und Wasserressourcen geeint ist. Für uns und andere Forschungsinstitute bietet sie eine einzigartige Gelegenheit für den Wissenstransfer. Die DGL ist eine sehr lebendige und diskussionsfreudige Gesellschaft, in der auch Kontroversen mit Respekt ausgetragen werden. Dieser Geist sorgt dafür, dass wir nicht „verstauben”. Das zeigt sich auch an den steigenden Mitgliederzahlen. Vor allem junge Menschen haben nach wie vor ein hohes Interesse daran, ihre Netzwerke dort zu etablieren.
Sie übernehmen also eine gut funktionierende Organisation. Haben Sie trotzdem Ideen, die Sie in Ihrer neuen Funktion umsetzen möchten?
Ja, es sind die viel zitierten großen Fußstapfen, in die ich trete. Es gibt viele Aufgaben, die es gilt, erfolgreich weiterzuführen. Allen voran die Organisation der nächsten Jahrestagung im September in Berlin, die erstmals in Teilen mit der Tagung der Water Science Alliance stattfinden soll. Außerdem haben wir im Präsidium bereits geplant, die Beratung von Behörden und Politik weiter auszubauen. Wir haben kürzlich eine Richtlinie zur Einrichtung von Arbeitskreisen verabschiedet. In den neuen Arbeitskreisen werden wir gezielt Themen diskutieren, die gesellschaftlich eine hohe Relevanz haben, und Beratungsleistungen umsetzen. Dies kann in Form von Workshops, Papieren oder informellen Austauschmöglichkeiten geschehen. Schwerpunkte sind beispielsweise die thermische Nutzung von Gewässern oder der Erhalt von Kleingewässern. So wollen wir uns als Partner für Managementempfehlungen oder bei Entscheidungsprozessen einbringen.
Sie haben schon erwähnt, dass Sie für diese wichtige Aufgaben keine Nachwuchssorgen haben. Wie werden die Menschen in der DGL eingebunden?
Ja, unsere Nachwuchsförderung läuft sehr gut. Es gibt alljährlich den DGL-Nachwuchspreis, bei dem sich die drei Ausgezeichneten mit einem Plenarvortrag bei der Tagung präsentieren und sie ihre Forschungsergebnisse in einer praxisnahen Zeitschrift einem breiterem Fachpublikum zugänglich machen. Für die Forschenden zu Beginn ihrer Karriere bieten wir darüber hinaus „getStarted”-Projekte und Reisestipendien zur Unterstützung an. Wir haben aber auch viele ältere Mitglieder. Ihre Expertisen sind für uns unersetzlich. Denn die vielfältigen Herausforderungen, denen Gewässer heute ausgesetzt sind, sind nicht neu. Wir wollen also das hohe Erfahrungspotential und das Wissen unserer Mitglieder bewahren und nutzen. Eines unserer Anliegen ist es daher, auch im Sinne der Diversität, Förderinstrumente für ältere Mitglieder zu etablieren.
Sie sprachen gerade kurz die Herausforderungen für Gewässer an, welche sind das genau? Und gibt es auch Lichtblicke, also Dinge, die sich in den letzten Jahrzehnten für Gewässer verbessert haben, vielleicht sogar unter dem Einfluss der Wissenschaft?
Viele Herausforderungen haben sich verschärft. Wasserbezogene Katastrophen nehmen zu, ebenso wie stoffliche Belastungen und die Fremdnutzung von Wasserressourcen. In unserer Region haben wir besonders wenig Niederschlag. Vieles ist seit langem bekannt, findet aber trotzdem oft keinen angemessenen Widerhall in Management und Politik. Das kann frustrierend sein. Was meiner Erfahrung nach hilft, ist sich zu positionieren und für eine Sache beharrlich zu werben. Man sollte nicht gleich aufgeben, sondern argumentieren, Vertrauen aufbauen und Fachleute in den Behörden unterstützen. Das kostet Wissenschaftler*innen Zeit und ein Engagement, die im geltenden wissenschaftlichen System nicht sichtbar sind und nicht belohnt werden. Daher kann es sein, dass dieser lange Atem nicht aufgebracht wird. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn sich gerade junge Forschende in einer unsicheren Karrieresituation diese Aufgabe nicht aufhalsen. Doch da darf die Wissenschaft nicht nachlassen. Ein Beispiel, wo ich das Gefühl hatte mich sinnvoll einbringen zu können, sind die Arbeitsgruppen der DWA. Oder die LAWA, die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser. Für mich sind diese Strukturen ein Lichtblick, weil sie ebenso wie die DGL die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Wissenschaft fördern.
Abschließend noch eine persönliche Frage: Warum sind Sie Gewässerforscher geworden?
Bei mir hatte das viel mit den Personen zu tun, die mich angeleitet haben. Nach dem Abitur habe ich ein zweimonatiges Praktikum am IGG absolviert, das zu den Vorläufereinrichtungen des IGB zählt. Brigitte Nixdorf war Doktorandin und ich durfte ihr bei Messungen der Primärproduktion helfen. Ihre Begeisterung hat sich nachhaltig auf mich übertragen. Der Kontakt ist auch nach dem Praktikum nicht abgerissen. Ich hatte damals das Gefühl, dass in dieser Forschungsdisziplin ein sehr kollegialer Umgang herrscht. Die endgültige Weichenstellung in Richtung kam dann als Postdoktorand in der Schweiz, wo ich die Wirkung der Belüftung von Schweizer Seen erforscht habe. Die Orientierung Wissenschaft und Praxis zu verbinden, konnte ich anschließend am UFZ durch Projekte zur Flutung von Bergbauseen und hauptsächlich danach in den nunmehr genau 30 Jahren am IGB bei meinen Forschungen zur Eutrophierung von Seen sowie zum Einfluss des Klimawandel umsetzen. Die gute Betreuung, die ich als junger Wissenschaftler bei all diesen Projekten erfahren habe, versuche ich nun selbst weiterzugeben.