Bei einem Projekt lernten Berliner Grundschüler*innen aufeiner Kanutour auf der Spree die Gewässer genauer kennen. So können sie spüren, warum es wichtig ist, diese wichtigen Lebensräume zu schützen. Und Gewässer schützen kann jede und jeder, egal ob klein oder groß. | Foto: Frank Sperling
~ Ein Beitrag von Silja Reichling, Schülerpraktikantin im Team Kommunikation und Wissenstransfer ~
Müll gehört nicht in die Natur
Plastikmüll, Zigarettenkippen und andere Abfälle landen häufig über Wind und Regen in Bächen, Flüssen, Seen und Meeren. Dort geben sie Schadstoffe ab, werden zu Mikroplastik zerrieben und gefährden so Tiere, die die Partikel aufnehmen und Plastik mit Nahrung verwechseln.
Deshalb gilt: Müll immer korrekt entsorgen und möglichst gar nicht erst in die Umwelt gelangen lassen. Wer noch mehr tun möchte, kann an sogenannten Clean-ups teilnehmen oder selbst Sammelaktionen entlang von Gewässern organisieren. Jeder eingesammelte Gegenstand verhindert, dass er im Wasser landet und für ein Tier den Tod bedeuten kann.
Sommer, Sonne, Sonnencreme?
Ein Sprung ins kühle Wasser an einem heißen, sonnigen Tag gehört für viele zum Sommer dazu. Doch oft ist nicht bekannt, dass manche Inhaltsstoffe von Sonnencremes und Insektenschutzmitteln Lebewesen im Wasser schaden können. Stoffe wie Octocrylen, Icaridin oder Mikroplastik gelangen beim Baden direkt ins Gewässer und können Fische sowie andere Lebewesen beeinträchtigen. Ein Blick auf die Symbole auf der Verpackung und auf die Inhaltsstoffe lohnt sich daher. Außerdem sollten Sonnencreme und Insektenschutzmittel ausreichend Zeit haben einzuziehen, bevor man ins Wasser geht.
Ähnliches gilt übrigens auch bei anderer Kosmetik und Hygiene Produkten. Denn viele davon enthalten Mikroplastik und schädliche Chemikalien, die auch beim Duschen und der Anwendung Zuhause durch das Abwasser in die Natur gelangen können.
Wasservögel brauchen kein Brot
Viele Menschen meinen es gut, wenn sie Fische, Enten oder Schwäne mit altem Gebäck füttern. Für die Tiere und das Gewässer ist Brot jedoch problematisch. Es enthält oft viel Salz, kann schimmeln und trägt zusätzliche Nährstoffe ins Wasser ein. Dadurch gerät das ökologische Gleichgewicht aus dem Takt. Deshalb lautet die Empfehlung: Wasservögel und Fische weder mit Brot noch mit anderen Lebensmitteln füttern! Die Tiere finden in ihrem natürlichen Lebensraum ausreichend Nahrung.
Grundwasser- und Naturschutz im eigenen Garten
Pestizide, Dünger und andere Chemikalien aus Gärten können ins Grundwasser gelangen und Gewässer belasten. Schon kleine Mengen können langfristig Auswirkungen auf Wasserqualität und Artenvielfalt haben.
Wer seinen Garten naturnah gestaltet, schützt deshalb nicht nur Insekten und Vögel, sondern auch das Wasser. Pestizide und Dünger sollten möglichst sparsam oder gar nicht verwendet werden. Umweltfreundliche Alternativen sind oft genauso wirksam. Zusätzlich empfiehlt es sich, private Abwasserleitungen regelmäßig überprüfen zu lassen.
Wasser sparen für alle
Viele Gewässer verlieren im Sommer erhebliche Wassermengen, wie zum Beispiel der Müggelsee in Berlin. Dadurch fließt die Spree sogar manchmal „rückwärts“ wieder in den Müggelsee hinein (2022 ganze 70 Tage am Stück)! Der Müggelsee versorgt etwa 300.000 Haushalte mit Wasser. Wenn dieser und weitere Flüsse und Seen ihr Wasser verlieren, belastet dies demnach Tiere, Pflanzen und auch uns Menschen. Wasserknappheit zählt zu den großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte.
Es gibt viele kleine Dinge bei denen man im Alltag Wasser sparen kann: Kurz duschen statt baden, Wasch- und Spülmaschinen nur voll beladen starten, wassersparende Armaturen (z.B. Duschkopf oder Toilettenspülung) nutzen oder Regenwasser in Tonnen und Zisternen sammeln. Auch aufgefangenes Wasser aus dem Haushalt, zum Beispiel im Spülbecken oder Waschbecken, kann zum Gießen verwendet werden (Achtung: Ohne Seife und Spülmittel). Für die Herstellung vieler Produkte die wir täglich benutzen werden ebenfalls enorme Mengen Wasser benötigt. Besonders wasserintensiv sind beispielsweise Kaffee, Kakao, Fleisch, Nüsse, Kokosprodukte, Avocados oder Spargel. Auch Kleidung und Elektronik verbrauchen bei ihrer Produktion große Wassermengen. Ein bewusster Konsum schont daher indirekt ebenfalls die Gewässer.
Rücksicht beim Verkehr auf dem Wasser
Motorboote und andere Wasserfahrzeuge erzeugen Lärm und Wellen, die Fische und Wasservögel stressen können. Auch neue Trendsportgeräte wie eFoils verursachen teilweise erhebliche Störungen. Wer auf dem Wasser unterwegs ist, sollte daher generell unnötigen Lärm vermeiden und Abstand zum Ufer halten. Denn Schilfgürtel gehören zu den wichtigsten Lebensräumen an Seen und Flüssen. Sie bieten Schutz für Vögel, Fische und zahlreiche andere Arten. Gleichzeitig stabilisieren sie Ufer und verbessern die Wasserqualität. Deshalb sollte nur an ausgewiesenen Badestellen gebadet werden und Schilfzonen grundsätzlich nicht betreten oder durchschwommen werden, denn schon kleine Störungen können Brutplätze gefährden.
Nachhaltig angelt‘s sich besser!
Auch Angler*innen können viel zum Gewässerschutz beitragen. Forschende empfehlen, vor allem große und alte Fische zu schonen. Diese investieren besonders stark in den Nachwuchs und tragen wesentlich zur Stabilität der Bestände bei. Statt nur Mindestmaße festzulegen, kann ein sogenanntes „Entnahmefenster“ helfen: Gefangen werden nur mittelgroße Fische, während sehr kleine und sehr große Tiere im Wasser bleiben.
Darüber hinaus können umweltfreundliche oder natürliche Köder, widerhakenlose Haken sowie schonende Kescher eingesetzt werden. Moderne, nachhaltige Ausrüstung und recycelbare Angelschnüre tragen ebenfalls zu nachhaltigerem Angeln bei.
Klimaschutz ist Gewässerschutz
Der Klimawandel verändert Gewässer bereits heute. Im Berliner Müggelsee ist die sommerliche Wassertemperatur in den vergangenen 50 Jahren um mehr als zwei Grad Celsius gestiegen. Forschende warnen, dass dadurch Erfolge der Gewässerreinhaltung teilweise wieder zunichtegemacht werden könnten.
Wer das Klima und die Umwelt schützt, schützt deshalb auch Seen, Flüsse und Grundwasser. Dazu gehört beispielsweise die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel statt dem eigenen Auto, die Nutzung erneuerbarer Energien, ein generell energiesparendes Verhalten, ein geringerer Fleischkonsum und ein bewusster Einkauf regionaler Produkte.
„Kommunikation ist der Schlüssel für besseren Gewässerschutz“
Denn Umweltschutz funktioniert am besten, wenn viele Menschen mitmachen. Information und Austausch spielen dabei eine entscheidende Rolle. Wer sich informiert, sein Wissen weitergibt oder eigene Ideen einbringt, leistet bereits einen wichtigen Beitrag. Ob bei Bürger-Projekten, Umfragen oder lokalen Naturschutzaktionen – jede Beteiligung hilft dabei, Gewässer besser zu verstehen und langfristig zu schützen.
Jeder Tropfen zählt
Gewässerschutz beginnt nicht erst bei großen politischen Entscheidungen. Er beginnt im Alltag – beim Einkaufen, Baden, Gärtnern, Angeln oder Spazierengehen. Viele kleine Entscheidungen können zusammen einen großen Unterschied machen. Wer Gewässer schützt, schützt gleichzeitig Artenvielfalt, Trinkwasser und die Lebensqualität kommender Generationen.
Macroplastic in urban waterways: assessing storage in Berlin’s Spree River
Electrical Conductivity as a Tracer for Seasonal Reverse Flow and Transport of Trace Organic Contaminants in River Spree
Plastikmüll ist ein großes menschengemachtes Problem für die Gewässer der Erde. | Foto: Martin Blettler
Enten sind oft unmittelbar von dem menschlichen Aktivitäten an Gewässern betroffen | Foto: IGB
Auch beim Badespaß am See oder im Fluss sollte man aufpassen, dass das eigene Verhalten nicht der Natur und den Tieren schadet. | Foto: Florian Möller, AVN
Gerade beim Angeln gibt es viel zu beachten um die Gewässer und deren Bewohner zu schützen. | Foto: Philipp Czapla