Der Atlantische Lachs (Salmo salar) ist einer der Wanderfische, die für die CMS-Liste vorgeschlagen wurden. | Foto: Pixabay
In Ihrem Statement für das Science Media Center (SMC) plädiert die Flussforscherin deutlich für die Aufnahme weiterer Arten auf die CMS-Liste, denn bisher werde der starke Rückgang der Wanderfischpopulationen politisch und institutionell deutlich unterschätzt, übersehen oder ignoriert. Nachholbedarf besteht dabei nicht nur für Arten in Südamerika, Asien und Afrika, sondern auch in Europa. So wurden beispielsweise der Atlantische Lachs, der Maifisch, die Nase und das Flussneunauge zur Aufnahme in die Anhänge der CMS vorgeschlagen.
„Wanderfische haben bisher eine schwache Lobby, obwohl sie Schirmarten für vielfältige Artengemeinschaften und Lebensräume sind – und damit auch für deren reiche Ökosystemleistungen, die auch für uns Menschen wichtig sind“, sagt Sonja Jähnig. Interessengruppen aus Schifffahrt, Energieerzeugung, Industrie und Landwirtschaft seien häufig einflussreicher als die Schutzseite, zeitgleich bestünden aber auch zwischen diesen Gruppen Interessenkonflikte.
In Europa gebe es kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsdefizit für ein nachhaltigeres Flussmanagement: Die wissenschaftliche Evidenz sei vorhanden, aber Flusssysteme durch Wanderhindernisse nach wie vor stark fragmentiert, z.B. durch Dämme zum Aufstau und zur Wasserkraftnutzung. Letztere sei zwar erneuerbar, aber nicht umweltfreundlich. Der globale Ausbau der Wasserkraft stehe in einem fundamentalen Zielkonflikt mit dem Schutz wandernder Fischarten: „Dämme fragmentieren Flusssysteme und unterbrechen zentrale Wanderkorridore. Veränderte Abfluss-, Temperatur- und Sedimentregime führen dazu, dass wichtige Umweltreize für die Fortpflanzung und die Entwicklung dieser Arten ausbleiben.“
Effiziente Strategien sind laut Sonja Jähnig vor allem das Rückbauen von zentralen Schlüsselbarrieren, das Sichern bisher noch frei fließender Abschnitte, das Wiederanbinden von Auen und Nebenarmen an die Flüsse sowie das Wiederherstellen natürlicher Abfluss- und Temperaturregime.
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