Grundwasseruntersuchungen am Stechlinsee in Neuglobsow und Dagow

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung der Grundwasseruntersuchungen in Neuglobsow und Dagow. Auf dieser Seite können Sie die Messergebnisse Ihrer Grundwasserprobe einsehen, falls Sie uns weder eine E-Mail-Adresse noch eine Postanschrift gegeben haben. Das betrifft allerdings nur drei Proben. Sie und etwa 25 andere Teilnehmer*innen aus Neuglobsow und Dagow haben einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Relevanz des Grundwassers für die Eutrophierung (Anreicherung mit Nährstoffen) des Stechlin geleistet. Hier die wichtigsten Ergebnisse für Ihre Probe:

  • Proben-ID: 7
  • Gesamtphosphat (TP): 0,014 mg/L
  • Nitrat-N: 4,12 mg/L
  • Ammonium-N: 0,01 mg/L
  • Kalium: 0,8 mg/L
  • Eisen: < 0,01 mg/L
  • Proben-ID: 16
  • Gesamtphosphat (TP): 0,021 mg/L
  • Nitrat-N: 0,92 mg/L
  • Ammonium-N: 0,01 mg/L
  • Kalium: 1,2 mg/L
  • Eisen: 0,09 mg/L
  • Proben-ID: 17
  • Gesamtphosphat (TP): 0,01 mg/L
  • Nitrat-N: 4,22 mg/L
  • Ammonium-N: <0,01 mg/L
  • Kalium: 6,9 mg/L
  • Eisen: <0,01 mg/L

Alle anderen der insgesamt 38 von uns gemessenen Parameter waren in allen Proben unauffällig. Die folgenden Anmerkungen sollen Ihnen helfen, die Ergebnisse einzuordnen. An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, dass wir eine wissenschaftliche Forschungseinrichtung und kein akkreditiertes Labor sind. Die Ergebnisse sind daher in juristischer Hinsicht nicht belastbar.

Phosphor (gemessen als Gesamtphosphat) ist ein wichtiger Pflanzennährstoff, der auch bei den Wasserqualitätsproblemen (Eutrophierung) des Stechlins eine zentrale Rolle spielt. Im Grundwasser kommt Phosphat natürlicherweise jedoch nur in geringen Konzentrationen vor. Die natürlichen Konzentrationen im Grundwasser hängen vom Gesteinstyp ab, am Stechlin sind Konzentrationen < 0,02 mg/L zu erwarten. Erhöhte Werte deuten auf eine menschlich verursachte Belastung hin, sind jedoch gesundheitlich unbedenklich. In einigen der uns zur Verfügung gestellten Proben haben wir Konzentrationen zwischen 0,05 und 0,2 mg/L gemessen.

Nitrat (gemessen als Nitrat-Stickstoff) ist ebenfalls ein bedeutsamer Pflanzennährstoff, der im Grundwasser aufgrund seiner hohen Löslichkeit im Vergleich zum Phosphor in höheren Konzentrationen auftreten kann. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 11,3 mg/L, die natürlichen Konzentrationen in norddeutschen Grundwässern können jedoch deutlich unter 1 mg/L liegen.

Ammonium ist neben dem Nitrat der zweite wichtige Stickstofflieferant für Pflanzen. Im Grundwasser liegt es natürlicherweise allerdings vielfach in geringen Konzentrationen vor, da es unter bestimmten chemischen Bedingungen hoch flüchtig ist oder oxidiert wird. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 0,41 mg/L. In diesem Rahmen und deutlich darunter bewegen sich auch die natürlichen Konzentrationen von Ammonium im norddeutschen Grundwasser.

Kalium als weiterer elementarer Nährstoff in der Pflanzenernährung ist wichtiger Bestandteil vieler geologischer Verwitterungsprodukte und somit flächenhaft weit verbreitet. In Norddeutschland sind Kalium-Konzentrationen im Grundwasser von 5 mg/L und weniger als natürlich einzustufen. Höhere Werte können durch menschliche Einflüsse verursacht sein, zum Beispiel Abwassereinträge oder Düngemittel.

Eisen ist in einigen Proben erhöht. In der Trinkwasserverordnung gibt es für Eisen einen Grenzwert von 0,2 mg/L. Die WHO empfiehlt einen niedrigeren Grenzwert von 0,1 mg/L. Das hat bei Eisen weniger gesundheitliche Gründe, sondern liegt vor allem daran, dass Eisen bereits bei geringen Konzentrationen im Trinkwasser einen deutlich metallischen Geschmack verursacht, es bei hohen Eisenkonzentrationen zu Rotfärbungen des Wassers kommen kann, das Rostablagerungen in den Leitungen entstehen können und das Eisen als Nährboden für ins Leitungsnetz gelangte Bakterien dienen kann. Eine Gesundheitsgefahr besteht nach allgemeiner Annahme erst oberhalb von 200 mg/L. Für Pflanzen ist Eisen zwar ein wichtiges Spurenelement, aber ein Eisenüberschuss kann auch schädlich für Pflanzen sein.

Überschreitungen der oben beschriebenen Grenz- und Orientierungswerte deuten in vielen Fällen auf menschliche Einflussnahme hin. Sie können allerdings gerade im Grundwasser das Resultat von flächenhaften und langjährigen Belastungen sein, und sind nicht zwangsweise auf eine Beeinflussung vor Ort zurückzuführen. Erhöhte Nährstoffgehalte sowohl im Grundwasser als auch in Flüssen oder Seen können gravierende Folgen für Ökosysteme haben. Generell kommt es durch die Anreicherung von Nährstoffen in vielen Ökosystemen zu Veränderungen z. B. der Artenzusammensetzung oder zu unerwünschten Algenblüten. Die Kenntnis über Herkunft und Verbreitungswege von Nährstoffbelastungen ist von großer Wichtigkeit, um betroffene Ökosysteme in einen ursprünglichen Zustand zurückzuführen.

Wir danken Ihnen daher sehr, dass Sie uns im Falle des Stechlin dabei geholfen haben, die Rolle des Grundwassers unter den Ortslagen Dagow und Neuglobsow für den Stechlin besser zu versehen. Diese Messkampagne ist ein wichtiger Schritt, um mit weiteren Untersuchungen die Rolle des Grundwassers aufklären zu können. Bei Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gern zur Verfügung.

Steckbrief

Laufzeit

01.08.2021
31.08.2021
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
(Abt. 3) Plankton- und Mikrobielle Ökologie
Projektteam am IGB
Themenbereiche
Ansprechpersonen

Jörg Lewandowski

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Grundwasser-Oberflächenwasser Interaktionen

Sabine Wollrab

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Ökologische Modellierung

Mark Gessner

Abteilungsleiter*in
Forschungsgruppe
Ökosystemprozesse

Stella A. Berger

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Experimentelle Phytoplanktonökologie

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