Die Regenbogenforelle ist ein Beispiel für eine Fischart, die häufig gebietsfremd auftritt. | Foto: Katharina N. auf Pixabay
Invasive Arten können eine ernsthafte Bedrohung für die Biodiversität und Ökosysteme darstellen, jedoch auch Vorteile oder Nutzen bringen. Bisherige Bewertungssysteme wie das Environmental Impact Classification for Alien Taxa (EICAT) der International Union for Conservation of Nature (IUCN) konzentrieren sich auf die negativen ökologischen Auswirkungen invasiver Arten. Das EICAT+-Protokoll hingegen bewertet positive ökologische Effekte, während InvaCost die monetären Kosten erfasst. Diese Systeme erfassen einzelne Aspekte, berücksichtigen jedoch nicht ganzheitlich die komplexen sozialen und ökologischen Wechselwirkungen.
Des einen Freud – des anderen Leid
„Bei der Betrachtung nicht-heimischer Arten gibt es selten einfache Lösungen. Die Entscheidung darüber, welche der zahlreichen bestehenden Managementoptionen angewendet werden sollen, erfordert eine Abwägung der sozialen und ökologischen Kosten und Vorteile in einem bestimmten Kontext", erklärt Fiona Rickowski, Erstautorin der Studie und Doktorandin am IGB und der Freien Universität Berlin. „Invasive Arten und ihre Auswirkungen können von einigen Interessengruppen negativ, von anderen jedoch positiv wahrgenommen werden, und diese Wahrnehmung kann sich im Laufe der Zeit und auch räumlich gesehen ändern."
Ein Beispiel hierfür ist die Einführung von Fischarten wie der Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) oder der Bachforelle (Salmo trutta) in viele Länder weltweit. Diese Maßnahmen sollten den Freizeitwert für Angler erhöhen und die Aquakultur fördern, führten jedoch auch zu negativen Auswirkungen auf einheimische Arten. Ähnlich können invasive Pflanzenarten ästhetisch ansprechend sein, gleichzeitig aber einheimische Pflanzen, Insekten oder andere Arten beeinträchtigen.
Sozial-ökologische Netzwerke erlauben einen detaillierten Blick auf komplexe Zusammenhänge
„Sozial-ökologische Netzwerke, welche soziale und ökologische Akteure und Einheiten sowie deren Interaktionen einbeziehen, bieten einen geeigneten Ansatz, um solche komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen“, sagt IGB-Forscher Prof. Jonathan Jeschke, Letztautor der Studie. Dieses Prinzip wurde bereits auf eine Reihe anderer komplexer Themen angewendet, darunter die nachhaltige Nutzung von Ressourcen, das Management von Ökosystemleistungen und -beeinträchtigungen sowie kollektives Handeln. In der Invasionsforschung werden sozial-ökologische Netzwerke jedoch bislang nur begrenzt angewendet, obwohl die Methode ein klares Potenzial für Untersuchungen zu menschlich verursachten Einschleppungen nicht heimischer Arten, zum Erfolg von Invasionen, zu direkten und indirekten Auswirkungen sowie zu deren Management bietet. In ihrem Artikel geben die Autor*innen einen Überblick über bisherige Anwendungen sozial-ökologischer Netzwerke auf biologische Invasionen. Anhand eines anschaulichen Beispiels bieten sie eine Anleitung zum Aufbau und zur Analyse solcher Netzwerke und skizzieren zukünftige Möglichkeiten sozial-ökologischer Netzwerke in der Invasionsforschung.