Workshops für Lehrkräfte

Stör mal im Unterricht!
Über die Hälfte der Weltbevölkerung wohnt weniger als 3 Kilometer von einem See oder Fluss entfernt. Rund 10 Prozent aller Tierarten leben im oder an einem Binnengewässer. Trotzdem kommen Süßgewässer im Unterricht kaum vor – oft nur als klassisches Teichbild, als blaue Linie im Atlas, oder als Beispiel zum Thema Ressourcen. Dabei fördert die Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen Nutzung und Schutz von Gewässern ein tieferes Verständnis für ökologische Zusammenhänge und aktuelle Umweltprobleme. Das Thema kann auch wunderbar fächerübergreifend bearbeitet werden und das Systemdenken stärken. Impuls gefällig?
Ein Stör wird ausgewildert, begleitet von einer Schulklasse

Der Stör, einer der größten Süßwasserfische, zieht sich als roter Fasen durch unser Bildungsangebot. Der Schutz dieser in Deutschland als ausgestorben geltenden Fischart kommt vielen anderen Arten und Gewässern Arten zugute. | © Jacobia Dahm

Grundschule: Naturraum Fluss und Wanderfische

Während anderen Fischen ein einzelner Bach oder See als Lebensraum genügt, sind Wanderfische anspruchsvoll: Wie wir Menschen suchen sie für jede Lebensphase die passende Umgebung. Den Großteil ihres Lebens verbringen zum Beispiel Störe im Meer, zur Vermehrung jedoch ziehen sie unsere Flüsse hunderte Kilometer hinauf. Stör, aber auch Lachs, Maifisch, Schnäpel oder Aal, verbinden somit auf eindrucksvolle Weise unsere Flüsse mit dem Meer und den Küstengebieten. 

Der Workshop nimmt den Naturraum Fluss in den Fokus und gibt Pädagog*innen Materialien in vier Kategorien an die Hand:

  • Impulse
  • Schulprojekte
  • Versuche und Ausrüstung 
  • Exkursionen 

Diese bieten kreative Handlungsideen, die mit Alltagsgegenständen im Klassenzimmer oder bei Exkursionen umgesetzt werden können. 

Rahmenlehrplanbezug

Die Inhalte sind besonders geeignet für den Unterricht in Sachkunde (Klassenstufe 1-4), Naturwissenschaften (Klassenstufe 5/6: Konzept der Wechselwirkung, System-Konzept, Bewegung im Wasser), in Biologie (Klassenstufe 7/8: Ökosysteme als Ganzes betrachten, Lebensräume und ihre Bewohner) sowie in Geografie (Klassenstufe 7/8: natürliche und anthropogene Phänomene, raumbezogene Probleme an Flüssen, Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt).

Bildung für Nachhaltige Entwicklung ermöglicht es auch, die Themen in anderen Schulfächern aufzugreifen. So können beispielsweise in Deutsch Fantasiegeschichten über Gewässer oder in Kunst Bilder über Wanderfische gezeichnet werden. In Geschichte lässt der Wandel der Kulturlandschaften und unterschiedlicher Nutzungsformen thematisieren. 

Dauer

90 bis 120 Minuten

Die Referentinnen Nadja Neumann und Angelina Tittmann

© Adela Lukaczyk

Grundschule: Wasser entdecken – Lernideen für einen lebendigen Nawi-Unterricht 

Wie lässt sich die Faszination des Elements Wasser für Kinder greifbar machen und zugleich ihre Kompetenz im Umgang mit Wasserressourcen in einer sich wandelnden Welt stärken? In diesem Workshop erhalten Lehrkräfte Impulse, wie sich Themen rund um Gewässer – von Lebensräumen und aquatischen Arten über Dürre und Hochwasser bis hin zum Wasserkreislauf – praxisnah und anschaulich in den Unterricht integrieren lassen. Als Grundlage dient der „Entdecke-Kalender Wasser 2026“, der allen Teilnehmenden als Materialsammlung kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Neben Grundwissen zu den Zusammenhängen und Prozessen in verschiedenen Gewässertypen werden im Workshop auch einfache Experimente sowie Ideen für Schulprojekte mit lokalem Bezug vorgestellt. Zudem werden Hinweise zu Ausrüstung und Exkursionsplanung gegeben. 

Die Fortbildung unterstützt die Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und zeigt, wie ökologische Zusammenhänge handlungsorientiert und fächerübergreifend vermittelt werden können. Ziel ist es, die Neugier, das Umweltbewusstsein und die Gestaltungskompetenz von Schüler*innen zu fördern.

Lernziele für den Unterricht

  • Tiere und Pflanzen in und an Gewässern erkennen und beschreiben 
  • Unterschiedliche Gewässertypen hinsichtlich ihrer Merkmale vergleichen
  • Umweltprobleme erkennen und erste Ideen entwickeln, wie im Schulalltag oder in Projekten aktiv zum Umwelt- und Gewässerschutz beigetragen werden kann.

Zielgruppe

Lehrkräfte an Grundschulen mit den Fächern Sachunterricht oder Naturwissenschaften

Dauer

1,5 bis 5 Stunden

Video zur Fortbildung ansehen >
 

Zwei Referentinnen mit Teilnehmenden in Erfurt

 © STIFT

Sekundarschule: System Fließgewässer – mehr als Wasser und Uferkanten

Flüsse und ihre Auen gehören zu den artenreichsten Ökosystemen Deutschlands und Europas. Doch Eingriffe wie Begradigungen und Deichbau haben ihre natürliche Dynamik stark eingeschränkt. Angesichts des Klimawandels gewinnen funktionierende Auen heute wieder an Bedeutung. Ihre Fähigkeit, große Wassermengen aufzunehmen und zeitverzögert wieder abzugeben, macht sie zu einem natürlichen Schutzschild gegen Hochwasser und Dürren. Durch Revitalisierungsmaßnahmen wie die Rückverlegung von Deichen werden diese natürlichen Prozesse wiederhergestellt und zugleich vielfältige Lebensräume geschaffen.

In dieser Fortbildung beschäftigen wir uns mit den Wechselwirkungen innerhalb des Systems Fließgewässer. Anhand konkreter Unterrichtsmaterialien zu einem Fallbeispiel in Deutschland erfahren die Teilnehmenden, wie sich biologische, ökologische, hydrologische und landschaftsplanerische Inhalte in den Biologie- oder Geografieunterricht integrieren lassen. Dabei stehen Kompetenzen im Mittelpunkt, die Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, ökologische Systeme zu verstehen, Umweltfolgen menschlicher Eingriffe zu beurteilen und Lösungsoptionen zu reflektieren.

Lernziele für den Unterricht

  • Komplexe Zusammenhänge im System Fließgewässer herstellen und beschreiben
  • Dynamische Prozesse anhand eines Revitalisierungsprojekts erläutern
  • Ökologische Veränderungen und Gegenmaßnahmen abwägen und beurteilen

Zielgruppe

Lehrkräfte der Fächer Biologie und Geografie (Sekundarstufe I)

Dauer

1,5 bis 5 Stunden

Vortrag von Prof. Dr. Sonja Jähnig zum Thema ansehen >

Eine Referentin erklärt die Ökosystemleistungen eines Fließgewässers

© Adela Lukaczyk

Sekundarschule: Wasserkraft – gut fürs Klima, aber nicht umweltfreundlich

Die Wasserkraft gilt zwar als erneuerbare Energiequelle, verändert jedoch Flüsse und Ökosysteme stark. Zwischen Energiegewinnung und Artenschutz gilt es, verschiedene Optionen sorgfältig abzuwägen.

Flüsse, die sich auf ihrer gesamten Länge frei durch die Landschaft schlängeln und dabei Wasser, Lebewesen, Sedimente und Nährstoffe mitführen, gibt es heute nur noch selten, weder in Deutschland noch anderswo auf der Erde. Weltweit sind mehr als 60 % der über 500 Kilometer langen Flüsse durch Dämme oder Wehre unterbrochen, in Europa zerschneiden weit über eine Million Querbauwerke unsere Fließgewässer. Die Folgen sind gravierend, denn Fließgewässer sind eigentlich dynamische Ökosysteme mit hoher Artenvielfalt. Pflanzen und Tiere sind an die besonderen Bedingungen angepasst – insbesondere Wanderfische wie Störe, Lachse und Forellen. Wasserkraftwerke, können diese Vielfalt gefährden, indem sie die Durchgängigkeit unterbrechen und Lebensräume dauerhaft verändern.

Anhand konkreter Fallbeispiele wird aufgezeigt, welche Umweltrisiken bei der Planung von Wasserkraftanlagen mitgedacht werden müssen. Durch die multiperspektivische Betrachtung im Spannungsfeld zwischen Klimapolitik und Naturschutz können sich die Schüler*innen mit komplexen Entscheidungssituationen auseinandersetzen.

Die Fortbildung eignet sich besonders für den Inhaltsbereich „Lebewesen in ihrer Umwelt“ unter dem Schwerpunkt „Ökosysteme, Biodiversität, Nachhaltigkeit“ (Bildungsstandards im Fach Biologie für den Mittleren Schulabschluss, 2024). Sie verbindet ökologische Fachinhalte mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen und bietet zudem Anknüpfungspunkte für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Lernziele für den Unterricht

  • Die ökologischen Grundlagen von Fließgewässern und ihren Lebewesen verstehen.
  • Komplexe Entscheidungssituationen im Spannungsfeld zwischen Klimapolitik und Naturschutz antizipieren.
  • Bei Lernenden die Fähigkeit fördern, menschliche Eingriffe an Gewässern abzuwägen und zu beurteilen.

Zielgruppe

Lehrkräfte der Fächer Biologie und Geografie (Sekundarstufe I)

Dauer

1,5 bis 5 Stunden