Blitzlicht
Angelina Tittmann

Aquakultur: Fischkrankheiten umweltfreundlich behandeln

Sie ist gefürchtet: die Samtkrankheit. Die Infektion wird durch Dinoflagellaten der Gattungen Amyloodinium und Piscinoodinium verursacht und befällt Zier- und Speisefische im Süß- und Meerwasser. In Aquarien und Aquakultur sorgt sie immer wieder für erhebliche Sterberaten und daher finanzielle Verluste. Thora Lieke hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit Risiken und Vorteile aktueller Behandlungsmöglichkeiten und neuer Ansätze kombiniert. Ihr Artikel wurde als „Top Downloaded Paper“ ausgezeichnet.

Warmwasserfische wie hier der Siamesische Kampffisch (Betta splendens) sind häufiger bedroht, denn die Reproduktion der Krankheitserreger verläuft bei höheren Temperaturen schneller. | Foto: Bernard Ladenthin, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Hüllen sich Fische in Samt, ist das ein Alarmsignal. Dann handelt es sich oft um die parasitäre Samtkrankheit. Sie ist hoch infektiös und endet, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird, tödlich. Traditionell standen Therapeutika zur Verfügung, die Kupfer, Malachitgrün oder Methylenblau enthalten. Deren Rückstände gelangen aber in die Umwelt und sind für andere Organismen hoch toxisch. Mehrere europäische Länder haben diese Chemikalien deshalb für den Einsatz in der Aquakultur verboten; für die kommerzielle Zierfischhaltung werden ebenfalls Verbote erwartet.

Auch gegen andere Erreger wird deshalb intensiv nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten gesucht. In der Fachzeitschrift Reviews in Aquaculture geben Thora Lieke und Kolleg*innen einen Überblick zu althergebrachten und neuen Mitteln gegen verschiedene parasitäre Erkrankungen. Sie raten, sich bei der umweltfreundlichen Behandlung von Fischkrankheiten auf zwei Aspekte zu konzentrieren: Parasiten mit rückstandsfreien oder natürlich vorkommenden Substanzen zu behandeln sowie das Immunsystem der Fische zu stärken.

Zu den rückstandsfreien, sogenannten „alternativen“ Therapeutika gehören Wasserstoffperoxid und Peressigsäure. Sie haben sich als wirksam gegen eine Vielzahl von aquatischen Krankheitserregern erwiesen, auch bei der Behandlung der Samtkrankheit. Jedoch können sie das Stressniveau der infizierten Fische zusätzlich erhöhen. In zahlreichen Studien wird daher der Einsatz natürlicher Futterzusätze wie Vitamine, Pflanzenextrakte und Prä- und Probiotika untersucht. Diese aktivieren das Immunsystem und steigern das Wohlbefinden der Tiere. Dadurch verringert sich deren Anfälligkeit gegenüber Krankheiten. Auch Huminstoffe sind als Immunstimulanzien bekannt und Gegenstand weltweiter Forschungen. Als natürlicher Teil aquatischer Ökosysteme können sie über die Kiemen aufgenommen werden, wie Thora Lieke und Kolleg*innen in einer weiteren Studie nachgewiesen haben.

Selected publications
Ansprechpersonen

Thora Lieke

Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in
Forschungsgruppe
Fischpathologie, Ökotoxikologie und Stressökologie

Thomas Meinelt

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Fischpathologie, Ökotoxikologie und Stressökologie

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