23.09.2019 | Blitzlicht | Nadja Neumann

Internationaler Workshop zur Evolution von Weiblich und Männlich

Wenn sich grundlegende Sichtweisen in der Forschung ändern, ist es gut, sich darüber auszutauschen. Auf diesem Treffen gab es keinen Kampf der Geschlechter sondern einen angeregten Diskurs über die Evolution von Weiblich und Männlich.

DieTeilnehmenden genossen den wissenschaftlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen am See. Foto: IGB 

Paradigmenwechsel in der Evolution der Geschlechtschromosomen; Das Forschungsgebiet ist sehr dynamisch – um neuen Erkenntnissen und Anwendungen ein Forum zu geben, fand vom 19. bis 21. September 2019 ein internationaler Workshop mit über 50 Teilnehmenden statt. Forschende der Evolutionsbiologie mit unterschiedlichem wissenschaftlichen Hintergrund kamen zusammen, um grundlegende Fragen zu formulieren, Antworten zu finden und Wissenslücken zur Evolution von Geschlechtschromosomen, vor allem bei Wirbeltieren, aufzudecken.

Ob Jungen oder Mädchen entstehen, hängt beim Menschen von den Geschlechtschromosomen X und Y ab. Die Mutter vererbt eines ihrer beiden X-Chromosomen, der Vater entweder ein X- oder Y-Chromosom, sodass Söhne (XY) oder Töchter (XX) geboren werden. Diese Eigenschaft teilt die menschliche Evolutionslinie mit anderen Säugetieren seit mehr als 150 Millionen Jahren. Bei Vögeln dagegen geben Weibchen unterschiedliche Geschlechtschromosomen (Z oder W) weiter, während die Männchen zwei gleiche Chromosomen (Z) vererben. Unter Fischen, Amphibien und bei vielen Reptilien ist die Vielfalt höher: selbst nah verwandte Arten können XY- oder ZW-Vererbungsmuster aufweisen, manche Geschlechtschromosomen unterscheiden sich nur in einem einzigen männlich- oder weiblich-bestimmendem Gen von anderen Chromosomen.

Diese Unterschiede haben erheblichen Einfluss auf die Evolution neuer Tierarten und deren Vielfalt. "Die Forschung zur Evolution von Geschlechtschromosomen ist eine wichtige Grundlage, um beispielsweise gesellschaftsrelevante Problemstellungen wie die Belastung von aquatischen Ökosystemen mit Hormonen oder hormonähnlichen Stoffen (endokrinen Disruptoren) untersuchen zu können, oder um gezielt männliche oder weibliche Fische in der Aquakultur zu züchten", so der Initiator des Treffens, Dr. Matthias Stöck.

Der Workshop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem IGB unterstützt.

 

 

 

Ansprechpartner

Matthias Stöck

Arbeitsgruppenleitung
Arbeitsgruppe
Evolutionsbiologie und Ökotoxikologie von Amphibien und Fischen

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