05.11.2019 | Blitzlicht | Nadja Neumann

Mehr Moor bitte

Der Rückhalt des Wassers in der Landschaft ist in Zeiten des Klimawandels eine große Herausforderung für die Landwirtschaft und den Naturschutz. Die Renaturierung ehemals trockengelegter Moorflächen sowie die Wiederansiedlung des Bibers haben einen Einfluss auf den Wasserhaushalt. Das Team von Dörthe Tetzlaff hat die Langzeiteffekte auf das Wasserregime und die Wasserqualität der Fließgewässer in der landwirtschaftlich genutzten Region in einem Teileinzugsgebiet der Spree im nordostdeutschen Tiefland untersucht und verwendete dabei umfangreiche Datensätze der letzten 30 Jahre.

Der Biber ist nach Brandenburg zurückgekehrt. Seinen Einfluss auf den Wasserhaushalt untersuchte das Team von Dörthe Tetzlaff. Foto: shutterstock

Die Forschenden konnten zeigen, dass Renaturierungsmaßnahmen und die Wiederansiedlung des Bibers entlang des untersuchten Gewässerverlaufs seit dem Jahr 2000 zum Ansteigen des Grundwasserspiegels führten. In dieser Region werden rund 90 Prozent des Gesamtniederschlags durch Verdunstung von Pflanzen und Boden, die sogenannte Evapotranspiration, wieder an die Atmosphäre abgegeben. Vor 2010 wurden weniger als 5 Prozent des Niederschlags dem Grundwasser zugeführt. Seitdem hat sich die Grundwasserneubildungsrate durch Niederschlagswasser erhöht, dennoch bleibt sie mit einem Anteil von unter 10 Prozent gering. Die Wiedervernässung von Mooren, begünstigt durch die Wiederansiedlung des Bibers, führte zu einem längeren Verbleib des Wassers im Gewässernetzwerk und einer Verringerung von täglichen Wasserstandschwankungen, also einem "gedämpfteren" Abflussverhalten. Allerdings wirkte sich der steigende Grundwasserspiegel weniger als erwartet auf das gesamte Abflussverhalten im Einzugsgebiet aus.

„Der Anteil an wiedervernässten Moorflächen ist im Vergleich zur landwirtschaftlichen Fläche immer noch viel zu gering, um den Abfluss des Wassers in der Landschaft maßgeblich zu verändern. Hinzu kommt, dass eher mehrere kleine, anstatt größere und zusammenhängende Moorflächen wiedervernässt wurden“, so ordnet Aaron Smith, Erstautor der Studie, die Ergebnisse ein. Der Forscher empfiehlt, größere ehemalige Moorflächen und vor allem miteinander verbundene Teilstücke zu vernässen. So könnte sich der Rückhalt und die Speicherung von Wasser in landwirtschaftlich geprägten Landschaften langfristig verbessern.

Trotz der Renaturierungsmaßnahmen veränderte sich die Wasserqualität im Untersuchungsgebiet innerhalb der letzten Jahrzehnte kaum. „Dies spiegelt wahrscheinlich die langfristige Wirkung des Düngemitteleinsatzes auf die Nährstoffreserven in Böden, Grundwasser und Gewässer im Einzugsgebiet wider. Es zeigt, dass Veränderungen der Landnutzung sowie Renaturierungsmaßnahmen oft erst nach mehreren  Jahrzehnten Wirkung zeigen,“ so interpretiert Prof. Dörthe Tetzlaff die Ergebnisse ihrer Studie.

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Ansprechpartner

Aaron Smith

Postdoktorand/in
Arbeitsgruppe
Landschafts-Ökohydrologie

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