05.09.2019 | Blitzlicht | Nadja Neumann

IGB erprobt Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung

Im Bundesprogramm Biologische Vielfalt startet unter Federführung des IGB das sechsjährige Verbundprojekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ zur Umsetzung eines neuen Straßenbeleuchtungsdesigns, das die Lichtverschmutzung minimieren soll.

Versuchsfeld im Naturpark Westhavelland. | Foto: Maja Grubisic/IGB

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Wir müssen mehr für den Schutz der Insekten tun, daher haben wir gerade unser Aktionsprogramm Insektenschutz im Kabinett beschlossen. Nun setzen wir unsere Ziele durch Maßnahmen und Projekte um. Ein wichtiger Faktor für den Insektenschutz ist die Beleuchtung. Falsche Straßenbeleuchtung kann den Insekten enorm schaden. Darum fördern wir die Entwicklung eines umweltverträglichen Straßenbeleuchtungsdesigns, mit dem wir in Zukunft nachtaktive Insekten und andere Tiere besser schützen können.“

IGB-Forscher PD Dr. Franz Hölker leitet das Projekt: „Gerade in Gewässernähe werden unzählige Insekten von Straßenbeleuchtung beeinträchtigt. Mit diesem Projekt wollen wir damit auch einen Beitrag zum Schutz der aquatischen Fauna leisten.“ In Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Lichttechnik der Technischen Universität Berlin möchte das IGB ein Straßenbeleuchtungsdesign entwickeln, das die Abstrahlung des Lichtes auf die Flugbahnen von Insekten minimiert. Das Licht der Leuchten wird dann nicht mehr an der Leuchte selbst, sondern nur auf den Gehwegen und Straßen zu sehen sein. Nach einer wissenschaftlichen Evaluierung in einem Experimentalfeld im Westhavelland wird das neue Straßenbeleuchtungsdesign voraussichtlich im Herbst 2021 in vier Gemeinden installiert und erprobt: der Stadt Fulda (Hessen), der Stadt Krakow am See (Mecklenburg-Vorpommern) sowie in den Brandenburgischen Gemeinden Gülpe (Landkreis Havellaue) und Neuglobsow am Stechlinsee.

Zwei Jahre vor und nach der Umrüstung wird die Anziehung und das Verhalten von Insekten an den Straßenleuchten untersucht. Für die Untersuchungen wird auch die Mitarbeit und Expertise von ehrenamtlichen Entomologinnen und Entomologen benötigt, die für den Wissensaustausch in ein europaweites Netzwerk eingebunden werden. Weiterhin sollen Schulen an den Untersuchungen beteiligt werden, damit Schülerinnen und Schüler die taxonomische Einordnung von Insekten erlernen und mehr über ihre Bedeutung für Ökosysteme erfahren können. Auch auf die Mitwirkung und Unterstützung der Anwohnerinnen und Anwohner ist das Projekt angewiesen. „Die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in das Projekt ist vor allem auch deshalb so wichtig, weil gerade die private Beleuchtung in Gärten und an Hausfassaden mehr und mehr zunimmt“, so IGB-Forscherin Dr. Sibylle Schroer, Koordinatorin des Projektes.

In Anbetracht des dramatischen Rückgangs der Insektenbestände werden im Rahmen des Projektes Handlungsempfehlungen an Kommunen, Behörden und Unternehmen herausgegeben, um den negativen Auswirkungen durch Beleuchtung im privaten, wie auch im öffentlichen Bereich entgegenzuwirken. Denn durch insektenfreundliche Beleuchtung kann in Sachen Lichtverschmutzung im kommunalen, unternehmerischen und privaten Bereich nahezu jede/r etwas tun.

Besuchen Sie die Projektwebseite www.tatort-strassenbeleuchtung.de!

Der Text entstand auf Grundlage einer Pressemitteilung des BMU und BfN vom 5. September 2019: BMU und BfN fördern insektenfreundliche Straßenbeleuchtung

Ansprechpartner

Franz Hölker

Arbeitsgruppenleitung
Arbeitsgruppe
Lichtverschmutzung und Ökophysiologie

Sibylle Schroer

Projektkoordinator/in
Arbeitsgruppe
Lichtverschmutzung und Ökophysiologie

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