Einblick
Johannes Graupner

IGB-Forschende befürworten verbindliche EU-Renaturierungsziele

Institut gibt Feedback zu drei europäischen Biodiversitätsinitiativen
Die Europäische Kommission hat eine Konsultation zu mehreren wichtigen Biodiversitätsinitiativen durchgeführt, die miteinander verknüpft sind: die EU-Biodiversitätsstrategie bis 2020, die Anwendungsüberprüfung der EU-Verordnung über invasive gebietsfremde Arten und die Entwicklung verbindlicher EU-Renaturierungsziele bis 2030.

Binnengewässer sind Hotspots der Biodiversität. Verbindliche EU-Renaturierungsziele können helfen, die Natur und ihre Ökosystemleistungen zu schützen. | Foto: Lubos Houska / Pixabay.

Die IGB-Forschenden unterstützen ausdrücklich den Plan, verbindliche EU-Renaturierungsziele zu entwickeln, denn Binnengewässer sind von hohem ökologischem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Wert und zudem Hotspots der biologischen Vielfalt. Verbindliche europäische Renaturierungsziele können ein sinnvolles und geeignetes Instrument sein, um Binnengewässer und ihre Ökosystemleistungen besser zu schützen.

Dennoch sollte darauf geachtet werden, dass Binnengewässer, insbesondere Flüsse, nicht nur als Schutzgebiete abgegrenzt und aneinandergereiht werden können. Das Erreichen einer bestimmten Flächenabdeckung (z.B. eines bestimmten Prozentsatzes) ist bei Binnengewässern aufgrund ihrer geringen räumlichen Ausdehnung nicht unbedingt sinnvoll; vielmehr sind die Einzugsgebiete zentrale Einheiten – diese müssen zudem über nationale und administrative Grenzen hinaus betrachtet werden. Darüber hinaus hängt der Erfolg einer Gewässerrenaturierung in hohem Maße von den zugehörigen externen und internen Prozessen in Binnengewässern ab. Aquatische Ökosysteme existieren nicht isoliert, sondern sind eng mit ihrer terrestrischen Umgebung verbunden – und umgekehrt.

Insgesamt braucht der Schutz der Biodiversität in Binnengewässern einen integrativen, horizontalen und vertikalen Ansatz in der Politikgestaltung. Ganzheitliche und ökosystembasierte Managementansätze werden benötigt, um die Renaturierung effektiv und effizient zu gestalten. Die Renaturierungsziele sollten klar definiert und konkrete Indikatoren zur Fortschrittsbewertung von Schutz und nachhaltiger Bewirtschaftung der Binnengewässer und ihrer biologischen Vielfalt entwickelt werden.

Die IGB-Stellungnahme zu aquatischer Biodiversität in Binnengewässern und den verbindlichen EU-Wiederherstellungszielen kann hier (auf Englisch) heruntergeladen werden.

Ansprechpersonen

Sonja Jähnig

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Aquatische Ökogeographie

Martin Pusch

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Funktionelle Ökologie und Management von Flüssen und Seeufern

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