Pressemitteilung
Jörg Lewandowski

Grundwasser in Arendsee nach wie vor belastet

Messkampagne 2022 zeigt: Seit 2012 keine maßgebliche Änderung
Im Frühjahr 2022 hatte ein Forschungsteam des IGB gemeinsam mit Studierenden der HU Berlin umfangreiche Grundwasseruntersuchungen am Arendsee durchgeführt. Ziel war es, eine Messkampagne aus dem Jahr 2012 zu wiederholen, um festzustellen, ob sich in den letzten 10 Jahren die Nährstoffeinträge in den Arendsee über das Grundwasser verändert haben. Die Ergebnisse der Messkampagne liegen nun vor.

An vielen Stellen rund um den Arendsee wurde das Grundwasser beprobt. Unterstützung bekam das Forschungsteam dabei von den Bürger*innen, die Wasserproben aus ihren Brunnen zur Verfügung stellten. | Foto: Jörg Lewandowski

Der Wissenschaftler Jörg Lewandowski vom IGB resümiert: „Es gibt erstaunlich wenig Veränderungen. Die neuen Untersuchungen bestätigen die Ergebnisse aus 2012.“ Damals hatten die Forschenden festgestellt, dass das Grundwasser unter der Stadt sehr hohe Nährstoffbelastungen, insbesondere Phosphor, aufweist und mehr als die Hälfte der Phosphatbelastung des Sees auf das Grundwasser zurückzuführen ist. Jörg Lewandowski erläutert: „Wir haben am Arendsee die ungünstige Situation, dass der stärkste Grundwasserzutritt aus der Richtung erfolgt, wo auch die Phosphat-Konzentrationen besonders hoch sind.“ Sein Kollege Christoph Reith ergänzt: „Das betrifft vor allem den Uferabschnitt vom Kloster bis zur Bleiche.“

Die höchsten gemessenen Phosphor-Konzentrationen im zuströmenden Grundwasser lagen bei 3000 bis 5000 Mikrogramm pro Liter. Zum Vergleich führt Lewandowski an „Als natürliche Konzentration würde ich in diesem Grundwasser 10-20 Mikrogramm pro Liter erwarten und im See Konzentrationen von 20-30 Mikrogramm pro Liter anstreben.“ Derzeit hat der See Phosphor-Konzentrationen von etwa 170 Mikrogramm pro Liter. Das führt immer wieder zu unerwünschten Algenblüten, aber auch zu einem Verlust der Artenvielfalt.

Warum ist das Grundwasser unter dem Stadtgebiet so stark mit Nährstoffen belastet?

Christoph Reith erläutert die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler*innen aus den Ergebnissen: „Nach dem Ausschlussprinzip versuchen wir möglichst viele Nährstoffquellen auszuschließen und was dann übrigbleibt, ist die wahrscheinlichste Quelle: Phosphat kann in der Landwirtschaft über Gülle oder Mineraldünger in das Grundwasser eingetragen werden. Das können wir aber am Arendsee weitgehend ausschließen, da die Konzentrationen im Grundwasser in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten recht niedrig sind.“ Phosphat könnte auch aus Altlasten stammen. Jörg Lewandowski ergänzt: „Wenn Phosphat aus einer großen Altlast stammt, dann wäre eine große, breite Abwasserfahne im Abstrom dieser Altlast zu erwarten. Stattdessen haben die vielen Grundwasserproben, die uns die Bürger*innen aus Arendsee dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt haben, gezeigt, dass es viele Punktquellen in Arendsee geben muss. Dicht nebeneinander gibt es hohe und niedrige Phosphatkonzentrationen.“

Eine weitere mögliche Herkunft von Phosphat ist die Düngung von Privatgärten. Das ist schwieriger auszuschließen. Ehemalige Sickergruben sind ebenfalls eine mögliche Quelle. Wenn sie nicht ordnungsgemäß zurückgebaut worden sind, könnte nach wie vor Phosphat in das Grundwasser ausgewaschen werden. Eine weitere mögliche Quelle ist eine undichte Abwasserkanalisation. Es gibt Schätzungen der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft (DWA), dass 10 Prozent des Abwassers auf dem Weg von den Haushalten zu den Kläranlagen durch Undichtigkeiten versickern. Da in einigen Grundwasserproben 2012 Arzneimittelrückstände und Süßstoffe gefunden wurden, ist zumindest ein Teil der hohen Nährstoffkonzentrationen im Grundwasser auf Kanalleckagen zurückzuführen. Christoph Reith erklärt dazu: „Weder ehemalige Sickergruben noch die Düngung von Privatgärten können diese Stoffe im Grundwasser erklären, weil sie im Dünger nicht enthalten sind bzw. zu Zeiten, als die Sickergruben betrieben wurden, noch nicht auf dem Markt waren.“ Da die Untersuchungen aufwändig sind, sind diese Analysen noch nicht abgeschlossen. Jörg Lewandowski sagt: „Das Problem undichter Abwasserkanalisation und deren Auswirkungen auf das Grundwasser ist meiner Meinung nach in ganz Deutschland bislang nur unzureichend betrachtet worden. Neben der öffentlichen Kanalisation betrifft das vor allem auch private Hausanschlussleitungen, die in ihrer Gesamtlänge die öffentliche Kanalisation übertreffen und deren Überprüfung und Zustand oft schlechter sind als die der öffentlichen Kanalisation.“

Ansprechpersonen

Jörg Lewandowski

Forschungsgruppenleiter*in
Forschungsgruppe
Grundwasser-Oberflächenwasser Interaktionen
Projekte
Ansprechpersonen
Jörg Lewandowski
Abteilung(en)
(Abt. 1) Ökohydrologie und Biogeochemie
Beginn
03/2022
Ende
04/2022
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